Sweet Like a Flowers - Made by Tiefschwarz

Endlich hatte ich den Heinrich-Heine Platz 1 erreicht. Glücklicherweise waren noch nicht all zu viele Leute da. Eine Gruppe von Mädels baute gerade ihr Zelt ab -Gott, wie bekloppt können Menschen eigentlich sein???- Wieder blicke ich auf die Uhr….6.00 Uhr morgens, scheiße bin ich müde!!!!!!!!! Aber ich konnte gestern einfach nicht einschlafen, war zu tief in Gedanken versunken, war zu aufgeregt, war einfach voller Vorfreude auf das, was heute passieren wird. Und auch jetzt bekam ich wieder ein Kribbeln im Bauch, wenn ich daran dachte. Ich ging den langen abgesperrten Weg lang und lehnte mich an eine der großen Holztüren…Warum könnten sie nicht einfach schon offen sein??? Warum könnte es jetzt nicht schon 20.00 Uhr sein??? Ich ließ mich runter auf die kalten Steine gleiten und kuschelte mich in meine Jacke. Das wird wirklich heute ein richtig geiler Abend, dachte ich und grinste in mich rein… Ich stellte meinen MP3- Player noch ein Stück lauter, legte meinen Kopf auf meine Knie und blickte mich um.

 

 

 

 

 

Kapitel 1

Ich saß noch immer im Zug und kauerte mich noch ein wenig mehr in den sitz, meiner Freunde ja nicht gehabt hatte. Mein Blick wich von der Zugtür zum offenem Fenster hinüber, in den dunklen, blau bis schwarz gefärbten Himmel und ich betete das es nachher nicht mit regnen anfangen würde, da ich noch ziemlich lange da draußen stehen musste. Ich würde jetzt noch ungefähr eine halbe stunde fahren und DAS war mir schon zu lang, da ich eigentlich schon längst da sein wollte. Aber durch Mex einem Freund von mir, der mich daran hinderte schon früher abzuhauen, musste ich, ob ich wollte oder nicht, einen Zug später nehmen.

Ich machte meinen MP3-Player an, schloss meine Augen und hörte mit einem lächeln im Gesicht, da ich es kaum noch aushielt endlich anzukommen, ziemlich lange dieser verträumten und warmen stimme zu, als der Zug plötzlich hielt. Ich machte meine Augen auf, las den Schriftzug über mir: MAGDEBURG!!!

War denn schon eine halbe stunde rum, na bestens dann bin ich endlich da, ich stand auf, nahm meine schwarze Tasche, rannte zur Zugtür und sprang raus. Ich lief noch eine weile herum und mir ging der Gedanke, das heute ein richtig geiler Abend wird, nicht mehr aus dem Kopf, als ich endlich und immer noch mit einem lächeln im Gesicht, am Heinrich-Heine Platz 1 ankam. Ich sah mich um und entdeckte ein paar Mädels die gerade ihr Zelt abbauten –Ey scheiße, wie doof muss man denn eigentlich sein um hier zu übernachten, so verrückt bin ich dann eigentlich doch nicht!!!- Ich ging die Absperrung entlang und konnte kaum fassen dass hier noch gar nicht viele Leute waren, um ehrlich zu sein noch fast gar keiner. Außer die 3- 4 Mädels von da vorn, mit dem Zelt und eine zusammen gekauerte Gestalt die ich bis dato nicht richtig erkennen konnte. Ich ging noch näher auf sie zu da ich langsam bemerkte das es ein Mädchen war, die –wie geil ist das denn- genau den gleichen style wie ich zu haben scheint. Jap sie war ein richtiges Punk-Girl. Der schein der Laterne viel auf ihr richtig langes, dunkel braunes Haar. Sie sah mich an und ich schaute in zwei grüne, nein dunkel grüne Augen, die schwarz umrandet waren und so noch mehr ihr geiles grün zeigten, sie leuchteten ja förmlich vor Freude und Glück. Sie war ziemlich groß, schlank, richtig hübsch und zu meinem Glück ein Punk. Sie sah so um die 13 oder 14 rum aus, also so in meinem Alter, schätze ich. Mein Blick viel auf ihre Chucks und gleich hatten wir ein Gesprächsthema.

„Hey… du hast echt geile Chucks!!! Ich hab auch solche, nur sind die leider von meinem Hund angefressen worden, na ja und da kann ich sie ja nich mehr wirklich anziehen…Und freust dich schon aufs Konzert?? Ach ich bin übrigens April!“

Sagte ich und wartete auf eine Reaktion von ihr doch sie blieb still, musterte mich nur von oben bis unten und dann sah sie mir wieder in die Augen.

Immer noch war alles still, sie schaute mich nur an, als sie plötzlich anfing wie ein Wasserfall zu reden, was ja eigentlich immer mein paart gewesen war! *ggg*

„Hallo April, schön dich kennen zu lernen, ich bin Summer. Danke, Na ja meine Chucks sind zwar schon ziemlich alt, haben sich aber ziemlich gut gehalten finde ich!“ Erzählte sie mit solch einer Spannung in der Stimme, dass es sich so anhörte als ob sie gleich vor Freude platzen könnte. „Meine Mum bringt mir aber immer mal nen paar neue aus London oder den USA mit. Cool oder? Wie heißt denn dein Hund?“ Ich wollte die frage gerade beantworten als sie wieder anfing zu reden: „Achso und aufs Konzert freu ich mich schon riesig, wer würde das nicht bei so einer geilen Band, die auch nur selten hierher kommt! Meine Karte habe ich schon seit über 4 Monaten und heute ist es endlich soweit…ähm… Tschuldige, jetzt kannst du!“ sagte sie mit einem fetten grinsen im Gesicht und sah mich wartend an.

„Oh cool, deine Mum is wohl öfter mal weiter weg, oder wie soll ich das verstehen? Oder fährt sie ohne dich in den Urlaub? Mein Hund heißt Lissy und ist ein Husky! Und total lieb, wenn sie nicht gerade meine Schuhe anknabbert. *lol*. Sag mal heißt du wirklich Summer oder ist das nur nen Spitzname von dir? Mich fragt man nämlich ständig wo ich meinen Namen her hab, aber bei mir ist es der Name meiner Mutter.“ Meinte ich mit etwas bedrückter miene aber das verflog, als sie wieder anfing zu reden. Sie hatte so eine Unverwechselbare und warme Stimme der man einfach gerne zuhörte. Obwohl wir uns erst seit ein paar Minuten kannten redeten wir so als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen. Und mir tat das gut!

„Ja, sie ist Architektin und entwirft Designs für Hotelketten und deswegen ist sie ziemlich oft weg aber ich bin’s schon seit meinem 8. Lebensjahr gewohnt. Mein Vater wohnt am anderen Ende der Stadt mit seiner Neuen, aber das ist mir alles eigentlich ziemlich egal…“ Sie machte eine kurze Pause, schluckte einmal, atmete tief durch und dann ging es auch schon weiter. „Na ja und Summer ist mein richtiger Name, meine Mutter hatte damals so ne Phase und da musste sie mich unbedingt Summer nennen. O.k. gut, genug von mir gequatscht, erzähl noch was von dir! Ist es nicht doof den Namen von seiner Mutter zu haben? Also ich stells mir blöd vor.“ Sagte sie und lächelte mich an. Dann fing auch ich an von mir zu erzählen.

„Na ja ich hab den Namen von ihr, weil meine Mutter kurz nach meiner Geburt gestorben ist und mein Vater dachte sich, das es schön wäre wenn ich ihren Namen bekommen würde, damit sie in Erinnerung durch mich und den Namen bleibt.“ So quatschten wir noch ewig weiter und bekamen gar nicht mit, wie schnell sich alles füllte und immer mehr Leute neben uns dazu kamen. Ich stellte fest das Summer und ich, echt viel gemeinsam hatten. Wir hören die gleiche Musik, sind beide Punks und wir haben beide ziemlich ungewöhnliche Namen für Deutsche und eigentlich noch viel mehr aber das wäre jetzt zu viel gewesen um das alles aufzuschreiben. Ich erzählte ihr echt alles über mich, ich ließ nichts aus und ich glaube sie tat das gleiche. Irgendwie war es ja cool ihr alles zu erzählen, weil ich dann endlich mal alles rauslassen konnte was mich so bedrückte, aber es machte mich auch nen bissl traurig da ich an meine Freunde dachte, mit denen ich das nicht hätte machen können, weil sie mich einfach nicht so gut verstanden. Wir redeten immer noch weiter, über Gott und die Welt, als es endlich soweit war und die großen und sperrigen Holztüren geöffnet wurden. Und Summer und ich waren die ersten die rein durften. *ggg*

 

 

 

 

 

Es begann langsam zu dämmern und eine zarte Röte legte sich auf den kalten Frühjahrshimmel. Nun war es bereits dreiviertel sieben, Gott, wie schnell doch die Zeit vergangen war! Aber ich vergesse ja immer die Zeit, wenn ich Placebo höre, wenn ich dieser verträumten, traurigen Stimme Brian Molkos zuhöre, die mich immer wieder in seinen Bann zieht und von der ich immer wieder eine Gänsehaut bekam. Gerade kamen die ersten Gitarrenriffs von meinem Lieblingssong „20 years“, als ich aufblickte und ein Mädel sah, das direkt auf mich zukam. Eigentlich etwas ganz normales, schließlich findet heut Abend hier ein Konzert statt, das heißt, es werden noch ein Haufen Leute kommen und sich anstellen, aber dieses Mädchen hatte etwas, von dem ich meinen Blick nicht abwenden konnte. Sie war groß, vielleicht ein Stückchen kleiner als ich, und hatte lange, schwarze Haare, die in leichten Wellen herunterfielen. Das geile war, sie hatte den gleichen Style, wie ich, also ist sie wahrscheinlich nicht von hier, denn es gibt leider nicht sehr viele Punks in Magdeburg und die meisten – also eigentlich fast alle – kenne ich.

Als sie näher kam vielen mir sofort ihre strahlend blauen Augen auf, die, wie meine, mit schwarzem Kajal betont wurden und ihre extrem langen Wimpern. Sie verliehen ihrem Blick etwas magisches, von dem man sich nicht mehr abwenden konnte. Ich musste unwillkürlich grinsen, als sie näher kam, denn auch sie hatte ein fettes Grinsen im Gesicht und begrüßte mich mit einem „Hey, du hast ja geile Chucks!“ 1000 weitere Fragen folgten und die alle in einem Atemzug!!! Da war ich ganz schön baff……… Wir hatten nicht nur denselben Style, nein, wir hatten auch noch die gleiche Art und Weise zu reden. Wieder huschte mir ein Grinsen übers Gesicht, dann begann auch ich in einem Atemzug all ihre Fragen zu beantworten. So kamen wir schnell ins Gespräch und merkten, dass wir ne menge gemeinsam hatten.

Es war eigentlich komisch. Wir kannten uns gerade mal ein paar Minuten, aber dennoch hatte ich das Gefühl, ihr alles sagen zu können. Wir verstanden uns halt, auch wenn wir nichts sagten, als wären wir Seelenverwandte. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat…Die lange Reihe, die vor dem Eingang abgesperrt worden war, war bereits voll besetzt und auch der Platz vor der Stadthalle begann sich langsam zu füllen.

April (so hieß das Mädchen) und ich machten uns die ganze Zeit über die anderen Mädels lustig, die dastanden, in ihren kurzen Miniröcken und sich nun den Arsch abfroren.

„Meinst du, dass Brian Molko auf so was steht?“, meinte April mit einem abwertenden Blick auf ein extravagantes Stück, bei dem man nicht sagen konnte, ob es ein Rock oder ein Gürtel war.

„Hm, vielleicht, wenn den nen Kerl anhat!!!“

Und wir mussten wieder lachen und wurden von so einem heftigen Anfall gepackt, dass uns Tränen in die Augen kamen und schon die Sanitäter fragten, ob uns etwas fehlt. Das hat uns aber nur noch mehr zum Lachen gebracht.

Natürlich ist Brian Molko (also der Sänger und Gitarrist von Placebo) nicht schwul, aber er ist bi, das heißt, dass er halt auch auf Kerle steht, was ja nicht schlimm ist, schließlich hatte ich auch ne menge Freunde, die schwul oder bi sind.

So verstrich der Nachmittag, an dem wir immer wieder nicht gerade selten von solch heftigen Lachanfällen gepackt wurden, bis die riesigen Holztüren geöffnet wurden und wir endlich hinein konnten.

Die Stadthalle ist nicht gerade ein Schmuckstück. Von außen, ein riesiger Backsteinklotz und von innen versprüht sie den Charme von einer Schulaula. Aber wenigstens war es schön warm, fast schon zu warm, so dass wir Jacken, Strickjacken und T-Shirts ausziehen mussten und jetzt beide in Top dastanden. In der Halle angekommen dauerte alles plötzlich eine Ewigkeit. Doch endlich gingen die Lichter aus und mein Puls war auf 180. Endlich ging es los. Endlich würde ich Brian Molko mal live sehen!!! Aber nichts da… jetzt kam erst mal die Vorband, na toll!!! *grummelz*

Die Vorband machte keine schlechte Musik, aber war halt nicht weiter umhauend, jedenfalls habe ich mir ihren Namen nicht gemerkt. Die ganze Halle schrie jetzt im Chor „Pla – ce – bo!“

Es war fast schon ein Flehen. Die Vorband konnte einem fast schon leid tun, aber damit mussten sie halt leben…

„Jaja, die komm doch gleich!!! Nur noch ein Song, versprochen.“

Also spielten sie ihren letzten Song, gaben noch mal alles, auch wenn es nichts half…

„Gut wir wünschen euch jetzt viel Spaß mit PLACEBO!!!“

Die Halle verfiel in ein einziges kreischen, verstummte aber sofort wieder, als sich die Bühne verdunkelte und zwei Gestalten unbemerkt auf die Bühne kamen. Die eine setzte sich hinter die Drumms und die andere, um einiges größere, positionierte sich auf der rechten Seite der Bühne.

Gemeinsam fingen sie an ein extrem langes Intro zu „36 Degrees“ zu spielen, wobei immer wieder kurz ein Licht aufblitzte und schließlich in ein Pulsieren überging, bis es ganz hell strahlte und nun kam auch Brian Molko auf die Bühne und sah mal wieder verdammt geil aus. Er brauchte das, die große Show, das „ alleine- total- cool- auf- die- Bühne- kommen“.

Er nahm seine Gitarre und schon rockten die drei los.

„Ey, geiler geht’s doch nicht mehr, oder?“

Brian Molko live!!! Das war echt der Höhepunkt!!! Er sah einfach verdammt geil aus mit seinen schwarzen Haaren, die oberen ganz kurz, die unteren lang, und mit seinen blauen Augen, die schwarz geschminkt waren und mit denen er einem immer direkt anschaute (*zum Glück waren wir in der ersten Reihe!*)

Er kniete sich direkt vor uns hin und sang den nächsten Song „You dont care about us“

Brrr, Gänsehaut pur! Der Titel geht wirklich direkt unter die Haut.

„Ja, geiler geht’s wirklich nicht!!!“ Aber es wurde mit jeder Sekunde, die verstrich, mit jedem einzelnem Ton, den die Band spielten, mit jeder Bewegung die sie machte und mit jedem Wort das Brian sang geiler und es war einfach nur ein unbeschreiblicher Abend.

Zum Schluss schüttelte die Band den ganzen Leuten in der ersten- teilweise auch denen aus der zweiten Reihe- die Hand (*ich glaub ich wasch mir nie wieder die Hand!!!*) und noch mal konnte ich Brian direkt in die Augen blicken, als er vor uns stand und mir noch sein Plektrum in die Hand drückte *wie geil*, dann waren sie auch schon wieder hinter der Bühne verschwunden. Wir schwelgten noch ein wenig rum, bis wir wieder anfingen, uns wie zwei Wasserfälle über das Konzert auszulassen, während wir von den Massen nach draußen gedrängt wurden. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte, dass April plötzlich verschwunden war. Ich blickte mich suchend um, konnte sie aber nicht entdecken. Da viel mir plötzlich ein Kerl in meinem Alter auf. Er war ziemlich groß, hatte unglaubliche dunkelbraune Augen, die mit schwarzen Kajal umrundet waren, und seine schwarzen Haare nach oben gegelt, wobei ihm einige Strähnen tief ins Gesicht fielen. Seine rechte Augenbraue zierte ein Piercing und seine Nägel waren schwarz lackiert. Er stand direkt neben mir und die Massen drängten mich immer mehr zu ihm. Man, sah der geil aus!!! Ich konnte meinen Blick nicht von seinen Augen abwenden. Er musste meinen fragenden Blick gesehen haben, denn er meinte zu mir: „Suchst du deine Freundin? Die ist glaub ich da drüben irgendwo.“ Ich sah in die Richtung, in die er gezeigt hatte und entdeckte auch prompt April. Noch schnell ein „Dankeschön“ murmelnd verschwand ich dann auch.

„Wo warst du denn?“

„Du warst doch plötzlich weg! Ey, hast du den Typ gesehen? Der sah voll geil aus!!!“

„Welcher?“

„Na der da….“ Ich blickte mich um, konnte ihn aber nicht mehr sehen. So ein Mist!!! „Der hatte so schwarze, gegelte Haare und war geschminkt…“, sagte ich, mich immer noch umblickend.

„Hm, nee, aber du weißt doch, man sieht sich immer zweimal im Leben!“, meinte April, die ihren Arm jetzt tröstend um mich legte.

Ich blickte mich noch mal nach ihm um, aber er blieb verschwunden, kein Wunder in dem Gedränge. Schade eigentlich…

 

 

 

 

 

Kapitel 2

Wir gingen nach draußen, unterhielten uns neben bei, natürlich noch von dem Konzert und bemerkten gar nicht das wir immer noch in Top waren und uns eigentlich den „Arsch abfroren“. Also zogen wir uns erst einmal an, nur ich war noch total in Gedanken versunken als mich Summer irgendetwas fragte was ich kaum verstand. Sie war noch so benommen, sie lallte nur rum, was ja schon ganz lustig war aber es machte mir auch irgendwie Angst, weil es so aussah als ob sie auf Droge wäre. Na ja in gewisser Hinsicht ist Placebo ja auch ne Droge, die man einfach nehmen muss, aber wenn dann schon für uns beide. *ggg*

„Wat haste jesacht, kann disch nisch verstehn wenn de so rum lallst. *lach*“

Lallte ich mit einem verschmitztem grinsen, und sie warf mir nur einen bösen Blick zu. Aber sie wiederholte es noch mal, ohne einen von ihren Kommentaren abzugeben.

„Ich hab dich gefragt, was du jetzt machst, ob du jetzt wieder mit dem Zug nachhause fährst oder ob du hier irgendwo in Magdeburg pennst? Ach und ich bin nicht die einzigste die hier noch so benommen ist, dich hab ich auch kaum verstanden!“. Sagte sie und lächelte jetzt genauso verschmitzt, wie ich es eben getan hatte.

„Ja ist ja gut…Na ich wollte jetzt eigentlich mit dem Zug fahren aber wenn du ne bessere Idee hast dann spuck sie aus!“ sagte ich schon ziemlich fordernd, weil ich ehrlich gesagt keine lust mehr hatte mit dem Zug zu fahren. Und außerdem hatte ich keine lust noch alleine zuhause rum zu hocken, ich hätte mehr bock mit Summer noch in irgendeine Bar oder Kneipe zu gehen. Und als hätte ich es nicht gesagt, fragte sie mich das auch noch.

„Hättest du bock jetzt noch in meine Stammkneipe mit zukommen und dann bei mir zu pennen? Meine Mum ist im Moment ja nicht daheim also hätte ich sturmfrei und na ja sie hätte bestimmt nichts dagegen wenn du bei mir pennen würdest. Ist ja Quasi ein Notfall!“ und als sie das sagte musste ich sie einfach in den Arm nehmen. Ich drückte sie so fest an mich, das ich sogar ihren Herzschlag spüren und hören konnte, ihre Atemzüge nahm sie so tief das ihre Glocke, die um ihren Hals gebunden war, jedes Mal auf meinen Kopf traf, aber es ging einfach nicht anders. Sie war so knuffig das man einfach nichts anderes machen konnte als sie zu umarmen und dazu roch sie auch noch so angenehm süß das ich sie am liebsten hätte anbeißen können, aber genug von dem geschleime! *g*

„Ähm…April…könntest du mich jetzt bitte loslassen?“ sagte sie flehend und ich erfüllte ihr diesen Wunsch zwar sehr ungern, weil ich noch nie so einen wunderbaren Menschen getroffen hatte aber ich tat es.

„Danke!“ sie atmete tief ein und fragte: „Und was ist nun, hast du lust oder nicht? Oder sollte die Umarmung ein JA bedeuten?“ und schaute mich dabei mit einem lächeln im Gesicht an.

„Natürlich bedeutet die Umarmung ein JA, was denkst du denn? … als hättest du Gedanken gelesen, ich wollt dich nämlich gerade das gleiche fragen? Ich ruf nur schnell meinen Vater an und sag ihm bescheid.“

„Ja tu das!“ sagte sie und schon wählte ich die Nummer meines Vaters. Warum gehst du nicht ran?? Ach Dad mach schon! Ich bin ja auch immer so ungeduldig. *g*

„Hi Dad, ich wollt nur sagen das ich bei ner Freundin in Magdeburg schlafe. Ist das O.k. für dich? BITTE?“ sagte ich und da ich wusste das er eh nicht nein sagen könnte murmelte ich noch ein „Danke“ und verabschiedete mich von ihm. Dann widmete ich mich wieder Summer zu, die schon meilenweit voraus war und ich sie nur ganz schwach erkennen konnte.

„Hey, Summer…warte doch!“ schrie ich ihr hinterher aber sie ging weiter und schon sprintete ich los um sie einzuholen, da sie nicht anhielt. Als ich sie erreichte und völlig außer Atem vor ihr stand, grinste sie mich nur an und lachte plötzlich lauthals los. Ich wusste überhaupt nicht was jetzt passiert war, aber sie erzählte es mir gleich.

„Na auch schon da du Trantüte!“ lachte sie und ihr kamen schon fast die tränen. „Ich hab noch nie jemanden so lustig und affig rennen sehen wo hast du das denn her???“ lachte sie immer noch, aber ich fand das ehrlich gesagt gar nicht so lustig!!! Ich warf ihr einen bösen Blick zu und sofort hörte sie auf, na ja aber irgendwie auch nicht richtig, weil ich dann auch irgendwie anfangen musste. Ich lachte über mich selber, ich sah ja auch ein, dass das komisch aussah, so wie ich rannte aber ich hab halt meinen eigenen stil zu rennen!!!

„Ich bin halt unsportlich, kann ich ja auch nichts für. Und jetzt hör auf über mich zu lachen!“ forderte ich sie auf, na ja und unter zwang tat sie das dann auch. Wir liefen neben bei und merkten gar nicht das wir schon an der Kneipe angekommen waren, weil wir prompt an ihr vorbei liefen und da ich sie ja nicht kannte wusste ich ja auch nicht das das ausgerechnet die war. Als Summer es merkte drehte sie sich um und bekam plötzlich ein knall rotes Gesicht, anscheinend war ihr es Peinlich an ihrer eigenen Stammkneipe vorbei zu laufen und es noch nicht mal gemerkt zu haben. Wie süß!!! Ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Wir gingen also zurück und auch gleich rein und hörten schon die Gäste rum krakeelen: „Wir wolln mehr Biiieeer!!!!!!“ Die warn schon voll zu aber uns störte das nicht und vor allem mich nicht, da ich das aus meiner Stammkneipe schon gewohnt war! *ggg*

Wir gingen in eine ruhigere Ecke und ließen uns müde und total fertig aber auch glücklich und zufrieden auf das Kuschelsofa nieder. Erst sagten wir gar nichts aber dann fingen wir wieder an vom Konzert zu erzählen. „Es war aber auch einfach nur hammer geil, so wie Brian da oben stand, total nah an uns dran“, das versetzte mich immer wieder in Trance, nur ein Gedanke an die geile Stimme, nur ein Gedanke an diese geilen Gitarrenriffs, nur ein Gedanke an die geile Bühnenshow und nur ein Gedanke an die geilsten Augen der Welt versetzte mich in so einen derartig verplanten Zustand, das war einfach nur unbeschreiblich. Diesen Abend werd ich nie vergessen, nie in meinem Leben und werweiß vielleicht geh ich das nächste mal gleich mit Summer auf ein Konzert von PLACEBO!!!

Ich schaute auf meine Uhr, da wir schon etliche Stunden nur von dem Konzert quatschten, na gut wir machten uns auch über die Besoffnen Typen lustig, weil die ständig irgendeine scheiße erzählten und ständig umfielen. Es war jetzt 02.15 Uhr und wir waren ehrlich gesagt noch gar nicht müde, also bestellten wir noch zwei Wodka- Redbull und schwiegen uns zum ersten mal richtig an, aber diese stille hielt nicht lange an, da uns schon zwei extra große Wodka- Redbull Gläser entgegen kamen.

„Wuoh, womit haben wir denn das verdient???“ fragte ich die Kellnerin mit einem dicken fettem grinsen auf den Lippen, ich sah Summer an die genau das gleiche grinsen aufgesetzt hatte wie ich.

„Na ja unser Barchef meinte ihr seit zwei so hübsche Mädels, da kann man euch ja mal zwei extra große Wodka- Redbull Gläser machen…ach und der geht übrigens aufs Haus weil ihr die einzigsten seit, die es mit den Typen da vorn ausgehalten haben.“ Sagte sie und verschwand mit einem lächeln im Gesicht wieder hinter die Theke.

Summer und ich sahen uns wieder an, wir waren ja eigentlich erst 14 aber man schätzte uns immer älter, zumindest sagte das Summer mal, na und bei mir war es wirklich so, auch wenn man das vielleicht nicht glauben konnte. Keiner von uns beiden konnte es länger aushalten, nicht davon zu trinken also taten wir es gleich, wir waren richtig gierig danach und konnten einfach nicht genug bekommen.

Der Abend war sonst nicht weiter spannend, wir gingen so ca. um 3 Uhr raus setzten uns aber draußen noch ein wenig hin, da uns schon etwas schwummrig war, aber dann gingen wir endlich zu Summer nach Haus.

Ich stellte mir eine Gemütliche, ganz normale Wohnung vor, die von ihrer Mutter auch so eingerichtet worden war, aber als ich in der Tür stand bekam ich keinen ton mehr raus. Die Wohnung war einfach nur, sie war… ich find einfach keine Worte, sie war… faszinierend und einfach geil. Total geräumig, mit Swimmingpool, mit total geilem Ausblick auf die Stadt und da das so große und durchgehende Fenster waren fühlte man sich so als könnte man fliegen, na ja und in meinem Zustand war es ja auch ein wenig so. Es waren zwei Stockwerke, Summer erzählte mir das man aber auch noch aufs Dach gehen kann und das wollt ich mir unbedingt ansehen, sie zeigte mir aber erst alles was auf der ersten Etage war, dann das auf der zweiten und zum Schluss gingen wir endlich hoch. Ich fühlte mich da oben so frei und mit den leichten Briesen des windes war es hier oben eigentlich…trotzdem noch recht angenehm. Nach einer weile gingen wir wieder runter in Summers Zimmer, ich half ihr mit dem Bett machen und als wir fertig waren sagten wir noch mal beide im Chor: „Der Abend war einfach nur geil, unvergesslich!!!“ und ließen uns aufs Bett fallen, ich dachte mir noch das ich echt froh bin Summer kennen gelernt zu haben und schlief dann mit ihr sofort wie kleine Babys ein, vor Erschöpfung, na ja und auch wegen des Alkohols, und wir ließen den Tag in unseren Träumen noch einmal Revue passieren.

 

 

 

 

 

Ich fands echt toll, dass April ihren Dad hat „überreden“ können, dass sie über Nacht in Magdeburg bleiben darf. War ja quasi wirklich ein Notfall *g* Schließlich mussten wir uns ja noch ausgiebig über das Konzert auslassen und wo würde das besser gehen, als nicht in meiner Stammkneipe??? Die war in Wirklichkeit ein kleiner Pup mit einer riesigen Bar mit Holztresen und einer extrem gemütlichen Sofaecke. Meine Freunde fanden die Kneipe leider nicht so toll, die ist ihnen zu komerz, also konnte ich nicht erwarten, sie heute Abend hier anzutreffen. Dabei hätte ich ihnen gern April vorgestellt…

Nachdem wir uns also stundenlang über das Konzert unterhalten, uns über die besoffenen Kerle lustig gemacht und zwei riesige Wodka- Redbull abgesahnt hatten, verließen wir den Pup leicht torkelnd und schon etwas angetrunken. Gut, ich muss sagen, wir waren schon ziemlich voll, echt bewundernswert, dass ich mich nicht hingelegt habe, geschweige denn, dass ich meine Wohnung gefunden habe *g*

Muss echt komisch ausgesehen haben, wie zwei sich gegenseitig stützende Gestalten in Schlängellinien die Straßen durch halb Magdeburg schwanken.

April machte schon ein komisches Gesicht, als wir in den Fahrstuhl stiegen und in den dritten Stock fuhren, aber als wir dann in der Wohnung angekommen waren, fiel ihr förmlich die Kinnlade runter… Wieder musste ich grinsen. Für mich war es ganz normal hier zu wohnen, aber für andere musste die Wohnung wirklich aussehen wie eine übelste Luxussuite… Im unteren Teil der Wohnung befand sich ein riesiger Wohnraum mit Küche und einer Sofaecke an die eine gewaltige Glasfront grenzte, von der aus man über ganz Magdeburg blicken konnte, ein Swimmingpool, das Arbeitszimmer von meiner Mum und das Gästezimmer. Auf der oberen Etage waren mein Zimmer, das Schlafzimmer von meiner Mum und ein Relaxbad. Und auch ein Zimmer, das mir als Atelier diente, ich liebte es zu zeichnen…

Aber der Hammer befand sich über den zwei Etagen… Vor ein paar Jahren hatten meine Mum und ich von meinem Zimmer aus einen Durchbruch zum Dach geschaffen und eine provisorische Treppe eingebaut und seitdem ist das Dach begehbar. Die Aussicht und das Gefühl, das man dort oben bekommt sind einfach unbeschreiblich. Man fühlt sich frei, schwerelos, als könnte man fliegen… Hier habe ich so viele Stunden verbracht, alleine, und habe über alle möglichen Dinge nachgedacht. Mir fiel auf, dass Summer die erste Person war, die ich seither mit hier hoch genommen habe… Sie lehnte an dem steinernen Geländer und genoss den Ausblick…

„Und das ist mein ganz persönlicher Platz… Ich komm immer hier hoch, um über bestimmte Dinge nachzudenken, weil man hier alles vergessen kann.“, schloss ich meine Rundführung.

„Das ist einfach nur der Hammer!!!“

Schließlich überfiel uns aber doch die Müdigkeit (und die Kälte) und wir gingen zurück in mein Zimmer, wo ich noch irgendwoher ein Gästebett holte und wir uns beide auf mein Bett fallen ließen. Der Tag war doch ganz schön anstrengend gewesen, aber auch unvergesslich…

„Du-u…???... Du musst mich unbedingt in den Pfingstferien besuchen kommen, ja?!?“ fragte ich in einem bewusst niedlichen Tonfall, den ich immer wählte, wenn ich die Leute manipulieren wollte, so konnten sie einfach nicht nein sagen.

Und wie erwartet kam auch das „Ja, aber natürlich“ von April…

Und schon hörte ich ein tiefes Atmen, das mir deutete, dass sie eingeschlafen war…Mir flogen noch ein paar Gedanken durch den Kopf. Vom Konzert, wie mir Brian Molko sein Plektrum gegeben hatte…..und von diesem Typen mit seiner Mangafrisur. Wer war er, fragte ich mich und kam er aus Magdeburg??? Werde ich ihn jemals wieder sehen? Da fiel mir auch wieder ein, was April gesagt hatte: Man sieht sich immer zweimal im Leben… Na, hoffentlich hat sie recht, dachte ich, bevor auch ich einschlief…

Ich wurde schon ganz zeitig wach…Dumm wie ich war hatte ich in meinem gestrigen Zustand vergessen, die Rollläden zuzumachen und so war es jetzt taghell in meinem Zimmer… Ich drehte mich noch 30mal von einer Seite auf die nächste, bis ich dann doch mir eingestehen musste, dass ich nicht mehr einschlafen könnte. Ich kann einfach nicht schlafen, wenn es hell ist!!! Ich guckte neben mich. April schien das nicht gerade zu stören. Die schlief noch wie ein Baby. Voll süß, wie sie dalag, total in die Decke reingekuschelt und die Beine angezogen, ihre langen schwarzen Haare überall auf dem Kissen verstreut. Auch jetzt konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich entschied mich erstmal duschen zu gehen. Durch die kalte Dusche wurde ich richtig munter, was für ein herrliches Gefühl. Danach schminkte ich mich ausgiebig und stylte mich wie gewohnt auf. Ich ließ mir bewusst viel Zeit, schließlich wollte ich April genügend Zeit zum schlafen lassen. Als ich aber ins Zimmer zurückkehrte erwartete mich die bereits wache und gähnende April und blickte mich mit ihren tiefblauen Augen an.

„Du bist echt niedlich, wenn du schläfst“, begrüßte ich sie. April warf mir zur Antwort ein freudiges Grinsen zu und streckte sich ein weiteres mal.

„Wenn du willst, kannst du auch duschen gehen und meinen Schminkkram kannst du auch benutzen. Bedien dich einfach.“

„Hm, ok“, gähnte April und verschwand in Richtung Bad.

Ich ging derweilen runter und machte den Fernseher an, um ein wenig Musik anzumachen. Wie erwartet kam allerdings nur Schrott. Naja gut. Damit musste ich halt leben… Ne halbe Stunde später kam auch April perfekt gestylt runter und sah mal wieder zum Anbeißen aus…

„Ey, was du alles für Schminkkram hast“, staunte sie „da braucht man ja glatt ne Wegbeschreibung, um das richtige zu finden!!!“

„Wolln wir uns was zu essen machen“, fragte ich, bereits auf dem Weg in die Küche und April im Schlepptau.

„Oh, ja… Mein Magen knurrt schon“, bemerkte sie, was eigentlich nicht nötig war, denn der letzte Teil ihres Satzes ging in einem Ohrenbetäubenden Knurrer ihres Magens unter.

„Gut, was hälst du von Eierkuchen???“

„Jap, das wär klasse!!!“

Und dann gings los: zwei vierzehnjährige Mädchen in einer Küche, ganz allein zu Hause. Da könnt ihr euch ja vorstellen, wie das ausgesehen hat!

Überall waren Mehl und die leeren Eierschalen verstreut, in einem Radius, der sich bis zum Wohnzimmer zog. Wir wechselten uns ab, mit dem braten… Ich wollte mal wieder ganz cool den Eierkuchen in der Luft drehen, was natürlich dazu Führte, dass er prompt auf den Boden viel und April noch beim Essen einen Lachkrampf hatte und kaum noch Luft bekam.

„Jaaaaa, du kannst jetzt auch mal wieder aufhören zu lachen, hm?!“

„Das sah aber auch zu komisch aus!!!“, meinte April bedrückt „du hättest mal deinen Gesichtsausdruck dabei sehen müssen!“ Sie machte irgendeine Miene nach, die ziemlich verzerrt aussah und jetzt auch mich wieder zum Lachen brachte. Wir fingen während des Essens wieder an uns über Gott und die Welt zu unterhalten, als plötzlich der Videoclip zu „20 years“ bei MTv NEU kam und keiner von uns es auch nur wagte, einen Ton zu sagen.

Auch nach dem Clip blieben wir erstmal stumm, um ihn wirken zu lassen und unsere Gedanken wieder sammeln zu können. Und dann gerieten wir wieder ins Schwärmen über Brian Molko, den wir gestern noch live auf der Bühne gesehen hatten und über das Konzert. Das hielt solange an, bis Aprils Handy vibrierte und wir so erschraken.

„Oh, hi Dad… Hm…….hm……..Ja gut, dann komm ich jetzt mit dem nächsten Zug… gut bis dann. Toll, ich muss jetzt mit dem nächsten Zug zurück nach Erfurt. Und keine Widerrede “, äffte sie ihren Vater nach.

„Ok, dann bring ich dich besser zum Zug.“

Das war echt schade, dass April jetzt schon gehen musste. Wir hätten heute noch soviel unternehmen können. Aber da half kein betteln und flehen, also musste ich sie jetzt zum Bahnhof bringen.

„Ich hab das übrigens ernst gemeint gestern, dass du mich in den Ferien besuchen kommen musst“, sagte ich noch zum Abschied.

„Ja, ich hab das auch ernst gemeint, dass ich auf jeden Fall komme“, lächelte April.

„Du hast ja meine Nummer, kannst mir ja mal schreiben.“

„Ja ich schreib dir gleich, wenn ich angekommen bin“, schrie April noch, als der Zug aus dem riesigen Bahnhof in Magdeburg fuhr und schließlich ganz verschwand. Ich beschloss wieder nach Hause zu gehen. Ich hatte jetzt keinen Bock auf meine Freunde, die schon wieder etliche SMS, wie Hey Summer, na wie war deine Nacht mit Brian, he??? Kommst nachher noch zur Straba, wir treffen uns da alle. Wär cool… Habdsch lüb dat Mopsel.

Mopsel war eine meiner besten Freundinnen, wenn es darum ging, rauszufinden, wo die anderen waren, denn sie war wirklich immer und überall mit anwesend. Eigentlich hieß sie Anna, aber in unserer Clique gab es mindestens sieben Annas, da braucht man einfach solche Spitznamen, um zu wissen, mit wem man es gerade zutun hat. Aber wie schon gesagt, ich hatte jetzt keinen Bock. Mit denen konnte ich mich sowieso nicht so richtig über so Sachen, die mir wichtig waren, wie z.B. das Konzert, auslassen, da die das nicht verstanden, nicht so, wie April. Zu Hause angekommen machte ich erstmal richtig laut Mucke an und ging online, um auf eine Mail von April zu warten…

 

 

 

 

 

Kapitel 3

3 Wochen später:

„Hey mein Knuddelbär,

ich vermiss dich total, schade dass du in den Ferien nicht kommen kannst, hatte mich schon so gefreut!!! Aber du musst unbedingt später noch mal irgendwann zu mir kommen. Musste dein Vater das mit deiner Oma auch unbedingt jetzt in den Ferien machen, er wusste doch das du kommen wolltest oder??? Na ist ja jetzt auch egal, wir Telefonieren!!!

hab dich mega supi doll Lüb

Deine Summer“

Das war die letzte Mail die ich heute von Summer bekommen hatte. Wir Telefonierten natürlich jeden Tag miteinander aber schöner wäre es gewesen wenn ich sie mal wieder richtig live erleben hätte können. Ich sitze grad im Auto, mein Dad fährt mich nämlich grade zu meiner Oma die irgendwo in Leipzig wohnt und die ich schon ein ganzes Jahr lang nicht mehr gesehen hatte. Dennoch wollte ich lieber zu Summer!!! Sie war mittlerweile meine beste Freundin geworden, weil mich einfach keiner so gut verstand, wie sie es tat. Sie war einfach immer für mich da, auch wenn es nur am Telefon gewesen war und hörte mir zu und das gleiche tat ich auch für sie, wir waren einfach wie…wie…Seelenverwandte. Wir dachten immer das gleich, lachten über alles Mögliche, hatten beide den gleichen style und wir liebten beide Placebo! Ich war echt froh Summer kennen gelernt zu haben denn ohne sie würde mir irgendetwas in meinem Leben fehlen. Ich hörte grade Musik, natürlich Placebo, was denn auch sonst? Als mir auffiel das wir gar nicht die Abfahrt nach Leipzig sondern die nach Magdeburg genommen hatten. Was war denn jetzt los, warum fährt er nach Magdeburg…doch nicht etwa um mich…nee oder??

„Dad was machst du? Wieso fährst du nach Magdeburg wenn du…“

Mein Dad unterbrach mich „Ich hab mit Oma geredet, sie sagte das man zwei beste Freundinnen einfach nicht auseinander bringen darf und das du ruhig zu Summer fahren kannst!!“ sagte er mit etwas bedrückter stimme aber mir war das in dem Moment total egal. Ich fahre jetzt zu Summer was gibt es schöneres?

„Echt jetzt? Ach Dad du bist so LIEB. Danke du weißt gar nicht wie Glücklich ich jetzt bin.“

„Ja ist ok aber bedank dich lieber bei Oma, sie konnte mich nämlich auch davon überzeugen. Na gut ich hol dich dann…“ Er erzählte mir noch wann und wo er mich abholen würde, als wir auch schon in Magdeburg ankamen. Ich zeigte und erklärte ihm noch den Weg zu Summer und dann setzte er mich bei ihr ab. Er holte meine Sachen aus dem Kofferraum, verabschiedete sich mit „Und mach keine Dummheiten, ich will keine Beschwerden hören“ und fuhr wieder Richtung Erfurt.

Ich atmete die frische Luft ein, der Wind blies mir durchs Haar und eine Gänsehaut breitete sich auf meiner Haut aus aber es war dennoch angenehm. Ich klingelte……nichts kam, ich wartete und klingelte noch einmal doch wieder nichts. Warum musste das jetzt auch alles so spontan sein, sie ist bestimmt mit ihrer Mum für ein paar Tage im Urlaub, so wie ich sie kennen gelernt hatte, hatte sie sicher auch die Idee dafür. Na ja nen bisschen wart ich noch, vielleicht ist sie ja nur gerade kurz weg. Dachte ich mir und setzte mich zusammen gekauert mit samt den Taschen auf die Treppe und lehnte mich an die kalte und ziemlich harte Wand. Jetzt waren schon 10 Minuten vergangen und noch immer keine spur von Summer, ich wollte gerade aufstehen und meine sachen nehmen als ich die völlig fertige Summer auf den Weg nach hause sah. Sie sah ziemlich müde aus, also hatte sie bestimmt eine sehr harte und lange Nacht hinter sich. Sie kam mit dem Kopf nach unten hängend, den Augen halb zu und ziemlich torkelnd auf mich zu, bemerkte mich aber nicht. Erst als ich vor ihr stand und sie mir in die Augen sehen musste, da ich ihr den Weg zur Tür verhinderte, bemerkte sie das ich es bin. Sofort sprang sie mir um den Hals und so wie es schien war sie jetzt wieder hell wach.

„Hey, meine süsse, was machst du denn hier?? Solltest du nicht bei deiner Oma sein???“ fragte sie mich mit kratziger Stimme…sie tat mir so leid, sie hat bestimmt nen mächtigen Kater aber irgendwie sah sie süss aus so hilflos und fertig und total zerknüllt.

„Naja, mein Dad hat mich Überrascht er hat mich vor knapp 15 Minuten hier abgesetzt. Außerdem wollt ich dich ja auch unbedingt wieder sehen, so einen Anblick wie jetzt kann ich mir doch nicht entgehen lassen!“ Sie löste sich von mir und schaute mich mit einem ziemlich gequälten Blick an, das sagte mir alles.

„Ich bin soooo müde, *gähn* wär es schlimm wenn ich mich oben erst mal ein wenig hinleg??“ fragte sie mich bettelnd und mit ihrem, mal wieder bewusst niedlichen Tonfall.

„Ja… nee is ok, ich kenn das ja nur zu gut, ich mach dir oben noch nen Anti- Kater- Cocktail und dann kannste dich hinlegen, versprochen!“ Grinste ich in mich rein, da sie immer noch oder eher gesagt schon wieder in meinen Armen lag und sie beinahe schon eingepennt wär, aber sie riss sich zusammen, sagte auf dem Weg nach oben kein Ton und fiel dann gleich als wir in der Wohnung waren aufs Sofa, das sie nur knapp schaffte. Sie ist nämlich ehrlich gesagt mehr aufs Sofa gestolpert und zufällig drauf gefallen, aber anscheinend störte sie das nicht. So wie sie jetzt dalag, mit einem lächeln im Gesicht und ziemlich schwer atmend. Anscheinend schläft sie, na kein Wunder. Also ließ ich sie liegen, deckte sie noch zu und setzte mich neben sie, ich schaute sie an, sie sah richtig süss aus. Ihre Haare lagen in ihrem Gesicht und sie rümpfte die Nase, es kitzelte sicher, also strich ich ihr die Haare aus dem Gesicht. Erst jetzt bemerkte ich wie weich ihre Haut doch war und wie hübsch sie ist. Auch so zerknietscht und fertig sieht sie noch perfekt aus. Ich machte meine Augen zu und dachte etwas nach und bevor ich sie wieder auf machen konnte schlief ich auch ein.

Ich machte meine Augen langsam auf, mir tat alles weh, na ja kein Wunder so wie ich geschlafen hatte. Im sitzen! Meine Hand wanderte langsam neben mich da ich gucken wollte ob Summer noch schlief, denn meine Augen bekam ich noch nicht richtig auf, außerdem war es viel zu hell. Hä wo ist sie denn hin denn neben mir war sie nicht mehr.

„Na Schlafmütze, auch schon wach? Eigentlich hätte ich ja länger schlafen müssen als du. Hast du Hunger??“ sagte eine mir vertraute und nicht mehr so kratzige stimme hinter mir.

„Ja bin jetzt auch wach, bin vorhin auch irgendwie eingepennt. Warum hast du mich nicht geweckt? Wie lang biste denn schon wach? Hunger…na ja nicht wirklich!“ sagte ich und schaute sie an, sie war mal wieder Perfekt gestylt, nicht mehr so zerknietscht, ihren Lidstrich hatte sie Perfekt gezogen, hatte diesmal aber nicht so schwarz geschminkte Augen wie sonst. Und auch so stimmte wieder alles an ihr, sie sah einfach wieder zum anbeißen aus! *g*

„Ich bin so seit ner stunde wach, wollt dich nicht wecken das hab ich einfach nicht übers Herz gebracht so süss wie du da saßt! Also nichts Essen? Wolln wir ne Shoppingtour machen oder erst morgen?“ Shoppingtour?? Jetzt?? „Ach nee, ich würde lieber noch nen bisschen mit dir hier bleiben. Außerdem würde sich das doch gar nicht mehr lohnen, da muss man schon nen ganzen Tag einplanen, Find ich. Oder?“

„Ja da haste auch wieder recht aber morgen dann ganz sicher ja?? Und was machen wir da jetzt?“

„Ja morgen auf jeden fall!!! Ich hab ne CD- Rom mitgebracht wolln wir die gucken, da sind alle möglichen sachen von Placebo drauf??“ fragte ich sie und sah sie bettelnd an aber sie grinste nur und sagte „Na sicher gucken wir das!!!“ und schon gingen wir an den Computer. Wir machten so einen richtigen Placebo Tag, da wir fast die ganze Nacht nur Placebo geschaut haben.

Wir hatten uns zwischendurch noch nen bisschen was zu essen gemacht und haben uns darüber unterhalten was wir jetzt in den Ferien so machen wollen und ob wir noch mal auf ein Konzert von Placebo gehen und solche sachen.

Irgendwann sind wir dann auch wieder ins Bett, stellten uns aber diesmal den Wecker damit wir schon richtig zeitig unsere Shoppingtour anfangen könnten.

Wir standen am nächsten Tag so ca. um 11 Uhr auf, das war für uns nämlich schon zeitig genug. Wir waren nämlich totale Langschläfer auch wenn mir das bei Summer manchmal schwer fiel zu glauben aber es war so.

Wir machten uns für die City fertig schnappten uns unsere Taschen und zogen los. Wir nahmen jeden Laden mit den wir kriegen konnten, wir ließen echt nichts aus. Unsere Hände taten uns schon vom vielen Tüten tragen weh, aber dafür hatten wir echt geile sachen im Schlepptau.

Wir gingen eine Straße entlang wo Summer meinte, das da noch mehr und noch geilere Klamottenläden wären und plötzlich sprach uns ein Typ an, er war etwas kleiner als wir hatte verwuschelte, ein bisschen gelockte, blonde Haare und sah eigentlich ganz niedlich aus. Er hatte braune Augen, so richtige tief braune Augen in denen man fast versunken wäre, aber er riss mich aus meinen Gedanken indem er uns beiden einen Flyer in die Hand drückte und meinte: „Hey ihr beiden, ihr müsst unbedingt in diesen Pub hier gehen, da haben wir heute unseren Gig, also unsere Band Devilish!“ und er zeigte dabei zu einem anderen Typen der etwas größer war und längere, braune Haare hatte, der gehörte bestimmt dazu. „Wir würden uns freuen euch zu sehen, also vielleicht bis heute Abend… tschau und noch viel spaß beim Shoppen!“ er lächelte uns noch einmal an und verschwand auch schon wieder und sprach die Mädels hinter uns an, ob die nicht auch kommen wollen.

„Willst du da hin gehen, wird bestimmt lustig…Hm?“

fragte mich Summer wieder in ihrem bewusst niedlichen Tonfall, weil sie wusste dass ich, wenn sie das tat nicht nein sagen konnte.

„Ja klar wieso nicht, da lernen wir wenigstens noch nen paar Leute kennen! Und vielleicht siehst du ja den Typen vom Konzert wieder. Ich hab ja gesagt man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Sagte ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht als ich sah wie Summers Augen zu leuchten anfingen.

„Wär ja schön wenn ich ihn sehen würde, so geil wie der aussah!!!“ ihre Augen leuchteten immer noch und mit jedem Gedanken an ihn, leuchteten sie immer mehr. Man sah richtig wie sie vor sich hin träumte.

Als wir endlich mit Shoppen fertig waren und wir glaube ich jeden Laden von Magdeburg abgeklappert hatten, machten wir uns für den Gig von Devilish fertig.

„Sag mal hast du schon mal von der Band gehört, wenn die von hier kommt müsstest du sie doch eigentlich kennen, oder?“ fragte ich Summer während ich mich Schminkte und sie im Spiegel beobachtete. Es war lustig sie beim anziehen zu beobachten weil sie sich nicht entscheiden konnte was sie anziehen soll. Sie hatte ja jetzt viel zur Auswahl. *g*

„Nee die kenn ich nicht, ist aber wirklich komisch da ich eigentlich fast jeden hier kenne! Naja vielleicht hab ich sie auch nur vergessen oder sie wirklich noch nie gehört. Mir kam aber auch keiner von denen bekannt vor……Oh wir müssen uns beeilen der Gig fängt gleich an!!!“ sagte sie und wurde auf einmal total hektisch zog mich vom Spiegel weg, Gott sei Dank war ich schon fertig mit schminken, das hätte schlimm enden können, *g* schnappte sich unsere Taschen und ging zum Fahrstuhl der, wie uns schien ewig brauchte bis er bei uns ankam.

Als wir unten waren sprinteten wir richtig los und kamen auch noch grade so zum anfang des Gigs an. Wir setzten uns an die Bar und bestellten erst mal jeder nur ein Redbull und warteten bis es richtig losging. Die Band wurde angesagt und schon kam der Drummer Gustav, der Bassist Georg, der Gittarist Tom, der in meinen Augen echt geil aussah, so wie er da oben da stand, und zu guter letzt, als sie schon anfingen zu spielen, Bill der Sänger. Das ist also Devilish! Ich sah zu Summer, die mit Kinnlade runter hoch auf die Bühne starte.

„Summer was ist los???“ schrie ich schon fast da es ziemlich laut war und Summer mich nicht verstand da ich sie noch mal fragen musste. „Hey, hörst du mich? Was ist los Summer???“ fragte ich sie mittlerweile schon ziemlich genervt da sie mir einfach nicht antwortete.

„SUMMER???“ schrie ich sie an und es drehten sich schon alle Gäste des Pubs um, aber endlich reagierte sie.

„Das…das…das…das ist…“

„Das ist??? Jaaa wer ist das, hm???“

„Das ist…das ist…“

„Jetzt spuck schon aus, wer soll das sein???“

„Das ist…das ist der Typ…vom Konzi…ja das ist er!!!“

„Echt jetzt…na siehste hab ich nicht gesagt das man sich immer zweimal im Leben sieht. Die müssen wir gleich mal ansprechen, denn so schlechte Musik machen die auch nicht.“

„Ja das ist er wirklich, wie geil ist das denn!!!“

Und dann musste sie mich ganz plötzlich umarmen, ließ mich dann aber wieder los und zerrte mich bis in die erste reihe weil sie zu ihm wollte. Richtig süss, wie so ein kleines verknalltes Mädchen was richtig vernarrt in ihn ist. *g*

Wir standen da, Summer schaute die ganze Zeit zu Bill und ich schaute mir Tom etwas genauer an. Er hatte blonde Dreads und war ungefähr so groß wie Bill hatte aber einen total anderen style, er hatte sicher XXL Klamotten an, weil alles viel zu groß war und eine Hopper Hose. Er sah so richtig Checker mäßig aus, aber auch total geil. Ich schaute ihm in die Augen und er hatte, auch wenn man es nicht so gut erkannte, dunkel, glänzende braune Augen, er strahlte auch bis über beide Ohren. An seiner Lippe glänzte ein Piercing, was ihn für mich noch interessanter machte. Ich Liebte Piercinge und Tattoos über alles denn nicht um sonst ziert ein Totenkopf mein Handgelenk. Das war aber auch das einzigste was ich hatte, aber Summer und ich wollten uns zu unserem Geburtstag, gemeinsam ein Zungenpiercing stechen lassen.

Mein Blick wich nicht von Toms seite er war einfach irgendwie Faszinierend. Für Summer war es Bill, der sie so verzauberte.

Dann war der Gig auch schon zu Ende, LEIDER, sie waren nämlich echt gut!!!

Summer und ich gingen schweren Herzens wieder zur Bar und bestellten uns diesmal aber Wodka- Redbull, das wir auch gleich mit großen zügen tranken. Wir saßen noch ziemlich lange an der Bar und hofften dass die Band mal kommen würde, aber irgendwie kamen sie nicht. Jetzt war es schon 24.00 Uhr und sie hatten sich immer noch nicht blicken lassen. Wir überlegten wie wir denen klar machen können dass wir sie gerne kennen lernen würden, uns viel aber komplett nichts ein (peinlich war es ja irgendwie schon aber na ja, so sind wir halt) und da wir von unserer Shoppingtour extrem müde waren, beschlossen wir nach Hause zu gehen, aber natürlich nicht ohne ihnen eine Nachricht zu hinterlassen! Wir nahmen uns eine Serviette, liehen uns einen Stift vom Barkeeper und schrieben:

„Hey Jungs, Danke noch mal, dass ihr uns zu eurem Gig eingeladen habt! Ihr seit richtig gut, wirklich… *g* Wir schmeißen morgen bzw. heute ne Party, wär echt geil wenn ihr kommen würdet!!!!! Also bis dann, ne?

Summer und April“

(Adresse)

das drückten wir dem Barkeeper in die Hand und sagten er solle das den Jungs von Devilish geben. Dann machten wir uns endlich auf den Weg nach Hause!

 

 

 

 

 

 

Der nächste Tag war natürlich extrem hektisch. Wir waren so müde gewesen, dass wir uns sofort ins Bett fallen lassen und komplett vergessen haben, den Wecker zu stellen. So wurden wir erst wach, als es an der Tür klingelte. Noch im Nachthemd und vor Müdigkeit schwankend kroch ich also die Treppe runter und zur Tür. Es war der Getränkelieferant. Was macht der denn schon da?

„Wo solln wir die denn hinstellen?“

„Hä“, gähnte ich „Ach ja, ähm, stelln sie die erst mal da neben den Küchentresen.“ Keine gute Idee, danach sah die Küche aus wie ein Getränkeshop.

„Und ich bräuchte noch eine Unterschrift.“

„Ach ja, gut.“

Gerade hatte ich die Tür verschlossen, da kam auch schon April runtergegähnt und stieß ein „Uhh“ aus, als sie die vielen Getränke sah.

„Ey, scheiße, wie spät is es eigentlich?“

„Keine Ahnung… Oh, mist, es is schon 16.00 Uhr!“

„Oh no, wie solln wir das denn jetzt alles schaffen??? Haare waschen, Haare trocknen, Haare stylen, schminken, Klamotten raussuchen, hier alles fertig machen…“, jammerte ich.

„Hey, schon vergessen, ich bin doch auch noch da! Zu zweit schaffen wir das schon“, sagte April in einem alles- wird- wieder- gut- Tonfall, der mich auch wirklich ein wenig beruhigte.

„Also Johnny kommt 20.00 Uhr, um seine Anlage aufzubauen, das heißt bis dahin müssen wir so gut wie fertig gestylt sein und die Getränke an einen vernünftigen Platz geräumt haben…“

„Wer ist Johnny“, unterbrach mich April neugierig.

„Ach ja, du kennst den ja nich… Der macht heut Abend den DJ… Der ist ein ganz lieber… Hey weißt du was, heut Abend kannst du auf einen Schlag meine ganzen Leute kennen lernen…“, bemerkte ich.

„Hm“, meinte April mit einem leicht ängstlichen Blick, der mich wieder zum Grinsen brachte. Jetzt war ich an der Reihe, sie aufzumuntern.

„Hey, keine Angst… Die werden dich auf jeden Fall mögen… Ich mag dich doch schließlich auch, hm?“

April warf mir noch ein total süßes, schmollendes Grinsen zu, bevor wir uns schließlich an die Arbeit machten. Wir räumten erst mal ein paar Getränke in die Bar im Poolzimmer. Als die dann voll war, bauten wir in der oberen Etage ein paar Tische zu einem Tresen auf und befüllten auch den. Das restliche Zeug verstauten wir in der Küche. Die Redbull- Dosen stapelten wir einfach übereinander. Das war echt ein Knochenjob, der beinahe unsere ganze Kraft raubte.

„Ey, wie viele Leute erwartest du eigentlich“, japste April und ließ sich vor Erschöpfung auf die Couch fallen.

„Hm, keine Ahnung, können 100 sein, können aber auch mehr oder auch weniger sein“, meinte ich mit gerunzelter Stirn „Also, ich hab das immer nicht so im Kopf, wen ich alles eingeladen habe und wer da noch jemanden mitbringt. Das erledigt Travis für mich, der Typ ist meine lebendige Gästeliste und macht heut den Türsteher und sagt: du darfst rein, du darfst nicht rein…“, mimte ich jetz einen zwei Meter großen und 100 Kilo schweren Bodyguard nach, aber April unterbrach mich…

„Wer ist Travis schon wieder???“

„Travis? Auch ein sehr guter Freund von mir… der heißt auch eigentlich anders, aber der sieht komplett wie Travis Barker, also, wie der Drummer von Blink 182 aus, hat nur nich ganz so viele Tattoos *g*“

„Also, kommen viele Leute“, meinte April wieder mit einem mulmigen Gesichtsausdruck.

„Lass dich überraschen“, grinste ich „du hättest das mal letztes Jahr zu meinem Geburtstag sehen solln, da hast du ne Stunde gestanden, um aufs Klo zu kommen, echt schlimm…“

„Wann hast du eigentlich Geburtstag?“

„Am 31. Juli“, meinte ich und ließ mich jetzt auch aufs andere Ende der Couch fallen, wo ich glatt wieder runterfiel, da April plötzlich aufschreckte und mich mit großen Augen anstarrte, was mich komplett erschreckte…

„Ey, was isn jetzt los?“

„Du hast am 31. Juli Geburtstag?“

„Ähhm, jaaaa…“, sagte ich und hob eine Augenbraue, was war denn jetzt so besonderes daran?

„Ahhh, ich auch… Ich meine, ich hab auch am 31. Juli Geburtstag“, meinte April jetzt mit strahlenden Augen.

„Ey, Echt jetzt?“, fragte ich, während ich aufstand. Dann mussten wir beide wieder lachen und verfielen in eine heftige Kitzel- und Kissenschlacht, bis es schließlich 18.00 Uhr war.

„Man wir müssen uns jetzt beeilen, wir haben nur noch zwei Stunden und ich weiß immer noch nicht, was ich anziehen soll!!!“

„Ich würd sagen, da schauen wir gleich mal, wenn wir die Haare gewaschen haben“

Also starteten wir nach einer halben Stunde mit noch immer glitschnassen Haaren eine Art Modenschau, wo wir noch mal alles anhielten und anzogen, was wir gestern geshopped hatten.

„Weißt du, du hattest Recht…“

„Womit?“

„Na, dass man sich immer zweimal trifft…“, grinste ich sie an und sie kam zu mir und gab mir einen Knuff in die Seite.

„Ich fand ja dein rosa- braun gestreiftes Top am niedlichsten“, meinte sie, als ich mich total verzweifelt in meinem Klamottenberg niederließ „und dazu ne Jeans und deine weißen Chucks, da siehst du dann wieder total niedlich aus und der Typ vom Konzi, wie hieß er Bill???, kann dir dann nicht wiederstehen!!!“ Wieder grinste sie mich fett an.

„Ja hast recht… DANKE, ohne dich wär ich echt verloren!“, sagte ich dankbar und knuddelte sie dafür „meinst du, dass sie kommen?“

„Ich hoffe es doch!“

Na, was war das denn jetzt für ein Tonfall, hab ich irgendetwas verpennt??? Ich beobachtete, wie sie vor dem Spiegel stand und abwechselnd ein braunes und ein blaues Top vor sich hielt…

„Und für wen machst du dich denn so hübsch“, grinste ich sie hämisch an…

„Ach… ich… ähm …“, stotterte sie und wurde plötzlich ganz rot *how cute* „na ja, wenn deine ganzen Freunde kommen… ähm… dachte ich… ähm, dass…hm…“

„Ach komm schon, April, sag schon“, da fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen „ach, der kleine Drummer!“

„Waas?!?“

„Nich???“, sagte ich jetzt etwas verdutzt.

„Nein, ich mag halt keinen schlechten Eindruck bei deinen Freunden hinterlassen *g*“

„Gut, dann nimm das hier“, sagte ich ein bisschen beleidigt und drückte ihr ein grünes Top, mit ziemlich weiten Ausschnitt in die Hand „und drunter trägst du dann am besten gar nichts *g*“ Dann verschwand ich zusammen mit ihr im Bad, und wir fingen an, uns wieder einmal perfekt aufzustylen. Gerade als wir mit uns komplett zufrieden waren, klingelte es auch schon an der Tür.

„Das ist bestimmt… Johnny?“, meinte April.

„Jap, perfektes Timing“, grinste ich mich selbst im Spiegel an. Und es war auch Johnny mit zwei Kumpels, die ich nicht kannte, die ihm aber halfen, seine Anlage reinzutragen und aufzubauen.

„Hey, Süße… boa, siehst du toll aus!!!“, begrüßte mich Johnny… er sah auch mal wieder toll aus, mit seinen langen dunkelblonden Haaren, die ihm schräg ins Gesicht vielen, seinen Karamellfarbenen Augen und seinen coolen Skater- Klamotten.

„Hey, Süßer“, begrüßte ich ihn ebenfalls und gab ihm einen Knuff in die Seite „ach ja und das ist April“, stellte ich April vor, die gerade hinter mir erschienen war.

„Hi, ich bin Johnny, hab schon viel von dir gehört“, sagte er mit seiner gewohnt freundlichen Art und schüttelte April die hand, die sofort wieder rot anlief. Ja, Johnny war schon ein richtiger Traumtyp *g* Er war zwar bereits 18, aber trotzdem immer für mich da und wie ein großer Bruder. Seine Anlage war echt schnell aufgebaut und die Lautsprecher im ganzen Haus verteilt, und mit den ersten Leuten dauerte es dann auch nicht lange, bis es proppenvoll war… Wie ich mir schon gedacht hatte kam April mit meinen ganzen Leuten wunderbar klar… Ja, so ist sie halt, meine kleine extrovertierte April, grinste ich in mich hinein.

Johnny wurde schließlich von einem seiner Kumpel, dessen Namen ich schon wieder vergessen hab, abgelöst und ließ sich jetzt mit April, mir und drei riesigen Wodka- Redbull auf den Couchen im oberen Stockwerk fallen… Dort nahmen wir erst mal einen gewaltigen Schluck, da wir uns gerade auf der Tanzfläche total verausgabt hatten. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass es bereits 1.00 Uhr war! Jetzt war ich allerdings ein wenig bedrückt, ich hatte gehofft, dass die Jungs von Devilish noch kommen würden… Ach, scheiß drauf, dachte ich und nahm noch einen Schluck von meinem Drink, den ich fast wieder ausgespuckt hätte, da gerade irgendein komplett besoffener Punk sein halbes Bier auf Johnny verkippt hatte, der jetzt mit tropfenden Haaren aufstand und schließlich mit einem „Na, toll“ in Richtung Bad verschwand und April und mich, von einem weiteren heftigen Lachkrampf gepackt, zurückließ.

Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu lachen und spielten uns gegenseitig hoch, als plötzlich mein Handy klingelte… Travis???

„Ja“, fragte ich, mir immer noch den Bauch haltend und die Tränen aus den Augen wischend…

„Du, Summer, hier stehn… ich hab euch doch gesagt, dass ihr hier nicht rein könnt…“

„Aber das ist doch die Adresse!!!“, hörte ich eine mir vertraute Stimme, die ich allerdings nicht zuordnen konnte…

„Ohhh, ganz toll, eine Adresse“, kam die pampige Antwort von Travis zurück „… hier stehn so vier Typen… bleibt doch jetzt mal stehen… die meinen, die kennen dich… ich sagte, du sollst da stehn bleiben… man, Summer, komm einfach mal…“

„Was will er denn“, fragte mich April sofort.

„Gibt Probleme in Sektor Eingangsbereich, ich schau mal nach. Hälst du unsere Plätze frei, ich bin dann in ner Stunde wieder da“, meinte ich mit einem Kopfnicken zu der tanzenden Menge und verschwand. Ich war allerdings erstaunlich schnell unten bei Travis angelangt, der gerade eine heftige Rangelei mit einem Typen mit Dreadlocks und Hopper-Klamotten führte. Als ich erkannte, wer das war, hätte ich vor Freude fast geschrieen… Es war Tom, der Gitarrist und im Türrahmen standen die anderen drei Jungs und hatten einen leicht genervten Blick… Scheinbar hatten sie sich schon eine ganze Weile mit Travis rumgestritten, der jetzt einen triumphierenden Blick aufsetzte, als ich näher kam.

„Kennst du die? Hm…???“

„Hi“, sagte ich fröhlich und Travis völlig ignorierend, dem gerade die Kinnlade runter geklappt war… Jetzt hatten die vier Jungs einen triumphierenden Blick aufgesetzt…

„Hey, na kommt rein“, meinte ich und umarmte sie alle vier. Bei Bill ließ ich mir besonders viel Zeit… Ich freute mich so sehr, ihn wieder zu sehen und genoss jetzt die Nähe, die uns durch die Umarmung gegeben wurde, total… Das war eigentlich gar nicht meine Art, aber ich hatte auch schon ziemlich viel getrunken.

„Boa, hier ist ja einiges los“, meinte Tom, der mal wieder komplett checkermäßig gekleidet war, aber irgendwie zum Knuddeln aussah, wenn er einen mit seinen tiefen braunen Augen ansah, wie ein Teddybär…

„Ach ja, ich bin übrigens Summer und das hier ist meine Bude“, grinste ich die vier an „Wollt ihr was trinken? Redbull, Wodka- Redbull???“

„Wodka- Redbull?!!“, meinten alle vier im Chor „Ja, aber natürlich.“

Also gingen wir los, um den vieren erst mal was zum Trinken zu holen und ließen den leicht eingeschnappten Travis der mir jetzt einen das- kannst- du- mir- doch- nicht- antun- Summer- Blick zuwarf, der mich reichlich wenig störte. Mit vier extragroßen Wodka- Redbull bepackt, drängelten wir uns schließlich nach oben, wo April schon ungeduldig wartete…

„So, und das ist April… Schau mal, April, wen ich mitgebracht hab“, grinste ich sie an.

„Oh, hi!!!“, strahlte auch sie jetzt wieder, sprang auf und umarmte sie ebenfalls, wobei sie extrem torkelte und fast wieder zurück auf die Couch fiel. So waren ihre Umarmungen weniger zur Begrüßung, sondern eher eine Möglichkeit, sich zu stützen…

„Gut, dann erzählt doch mal ein bisschen von euch“, meinte ich und schmiss mich wieder auf die Couch.

„Also, ich bin der Bill“, fing Bill an, der sich jetzt direkt neben mich gammelte und mich mit seinen dunkelbraunen, fast schwarzen Augen, die wiedermal perfekt geschminkt waren und mich sofort wieder in ihren Bann zogen, ansah „das da ist Gustav, das ist Georg und das ist mein Bruder Tom.“

Bis dahin war ich ihm ja gefolgt, aber bei dem Wort Bruder schaute ich ihn jetzt ungläubig an…

„Bruder?!?“

„Um genau zu sein… Zwillingsbruder“, meinte Bill jetzt mit einem fetten Grinsen, scheinbar bekam er solche Reaktionen öfters.

„Nee, oder? Wart mal… Setzt euch mal nebeneinander“, sagte ich, sprang auf, drückte Tom runter zu seinem Bruder auf die Couch und schaute mir die zwei genauer an.

Es stimmte, sie hatten irgendwo eine gewisse Ähnlichkeit. Dieselben dunkelbraunen Augen, dieselbe perfekt gerade Nase, dieselben vollen Lippen, dieselbe makellose Haut, aber ein komplett anderer Style…

Bill mit seiner schwarzen Mangafrisur, seinen geschminkten Augen, lackierten Fingernägeln und eng anliegenden, punkischen Klamotten… und Tom mit seinen dunkelblonden Dreadlocks, die nach hinten gebunden und in ein Cappy gesteckt waren, seinem Lippenpiercing und seinen XXL- Klamotten…

Ich kam echt ins staunen… Das, Zwillinge??? Ich schüttelte ungläubig den Kopf.

„Nee Jungs, sorry, aber das bekomm ich nich in meinen Schädel rein“, schloss ich dann und ließ mich zwischen die beiden fallen. Tom legte mir tröstend den Arm um die Schulter und tätschelte sie sanft.

„Wenn du willst können wir dir unsere Ausweise zeigen, hm“, meinte er in einem gespielt fürsorglichen Ton…

„Nee, is schon gut“, meinte ich und schob schmollend meine Unterlippe nach vorn, was Bill anscheinend ziemlich lustig fand, denn er verfiel plötzlich in einen übelsten Lachkrampf, wobei ich etwas in seiner Zunge glänzen sah.

„Du hast einen Zungenpiercing?“

Zur Antwort streckte er mir seine Zunge raus… Na, wie geil is das denn???

„Und wir können wirklich mal bei euren Proben zusehen?“, fragte April freudig…

„Ja, klar, gleich heute Abend“, meinte Tom einschleimend und warf April ein fettes Lächeln zu, die sofort wieder rot wurde, was ich diesmal aber nicht mitbekam, da ich mich mit Bill gerade mal wieder intensiv über das Placebo- Konzert ausließ…

Wir hatten uns schon satte vier Stunden mit den Jungs unterhalten und uns auch prompt mit ihnen angefreundet… Was die nicht alles schon für scheiße gebaut hatten, echt zum schießen!!! Vor einem Jahr hatte Bill bei Star Search mitgemacht, was ihm jetzt sichtlich peinlich war…

„Hey, ich kann gar nicht verstehen, dass die dich nicht genommen haben“, meinte ich zu ihm „Ich denk mal, du warst einfach zu gut!“

Das hat gesessen, dafür bekam ich ein verlegenes Lächeln von ihm zurück, als wäre das das schönste Kompliment gewesen, was er jemals bekommen hatte.

So ging das den ganzen Morgen weiter, bis schließlich um 7.00 Uhr die Musik aufhörte und auch die letzten Leute gingen… und wir schließlich vor Erschöpfung einschliefen…

 

 

 

 

 

Kapitel 4

„Oh, man, mein Schädel brummt ja ganz schön“

„Hey, sei doch mal nen bissl leiser, ja?“ schrie mich plötzlich eine vertraute stimme an und ich hatte das Gefühl das mir mein Schädel dabei gleich platzen würde…oh hatte ich das grade laut gesagt???

„Sorry, bin schon leiser!“ flüsterte ich, als ich neben mich schaute lagen da Bill und Summer total aneinander gekuschelt, Summer schlief noch und lächelte vor sich hin, träumte sicher von ihm *echt süss* und Bill schaute mich grimmig an, er hatte sicher auch nen fetten Kater. Wann ist der eigentlich gekommen und waren die anderen auch noch da??? Aber die frage erledigte sich als ich „Oh, scheiße, kannst du nicht aufpassen Tom??? Und wer macht das jetzt bitte wieder weg… ich ganz sicher nicht!“ jemanden Tom anschreien hörte. Tom…oh no, und ich weiß fast gar nichts mehr von der Party, verdammt!

Was ist wenn ich irgendeine scheiße erzählt hab und ich ihn total genervt hab, was dann? Hoffentlich nicht, ich hatte nämlich schon genug scheiße im Suff gebaut und mit Tom wollt ich’s mir eigentlich nicht versauen!!!

Ich sagte erst mal Bill „Guten Morgen“ lächelte ihn an und verschwand erst mal ins Bad. Ich sah mich im Spiegel und musste mich erst mal hinsetzen…ach du scheiße sah ich fertig aus, Haare total zerzaust und fast zu einem Haarknäuel verknotet, Schminke war überhaupt nicht mehr zu retten und meine Sachen, ja was hatte ich eigentlich an, ein viel zu großes, rotes Shirt…ey nee ich hatte doch nicht…nein das kann doch nicht sein… und was hat er jetzt an??? Nichts??? Naja, also mich würde es nicht stören!!! Oh, Gott was ist da gestern alles passiert?

Ich versuchte eine ganze weile alles an mir wieder so hinzu bekommen damit ich wieder einigermaßen gut aussehen würde, aber alleine würde ich das nicht wirklich schaffen und plötzlich klopfte es an der Tür.

„Bitte lass es Summer sein, BITTE, BITTE!“ flehte ich.

„Wer ist da??“

„Hey April ich bins, Summer… mach bitte auf!“

ich machte die Tür auf und schaute sie verzweifelt an und setzte ein “Bitte- hilf- mir- Summer“ Blick auf.

„Oh süsse, was hast du denn mit deinen Haaren gemacht??? Komm setz dich erst mal, ich mach das!!“ sagte sie so beruhigend, das es mir schon viel besser ging. Nach einer halben stunde hatte sie meine Haare, Gott sei dank wieder hin bekommen und dafür gab ich erst mal einen dicken fetten Kuss auf die Wange.

„Danke Honey, du bist echt nen Engel, was würd ich nur ohne dich machen?“

„Ohne mich wärst du glaub ich verloren!! Sag mal weißt du noch viel von der Party??? Ich kann mich nur noch bruchstückhaft dran erinnern!“

„Naja um ehrlich zu sein weiß ich gar nichts mehr, ich weiß noch nicht mal warum ich Toms Shirt an hab! Kannst dus mir das sagen?“ fragte ich sie mit zittriger stimme.

„Also ich weiß nur das Tom auf die Idee gekommen ist, mit dir Shirt- tausch zu machen und das er dir nen Kuss dafür versprochen hat, was ihr dann auch getan habt und ihr euch danach ganz schön heftig geknutscht habt!!!“ Grinste sie ziemlich schelmisch und zwinkerte mir zu, ich konnte mich dadrüber zwar nicht so amüsieren aber das war ja jetzt auch egal.

„Und war da noch mehr zwischen uns? Bitte nicht!“

„Also ich glaub er wollte schon mehr, aber du hast immer nein gesagt, aber auch nur weil ich dich immer dran erinnert hab!!!“ Stimmt ich hatte ihr ja gesagt das sie auf mich aufpassen solle, weil ich nicht unbedingt am nächsten morgen, nackt neben nen Typen aufwachen wollte!!!

„Danke Maus, und sonst hab ich bestimmt wieder alle zum lachen gebracht oder?“

„Ja klar hast du, du bist zur Musik immer voll abgegangen und hast immer lauthals mitgesungen, aber ab da weiß ich nicht mehr viel.“

„Na geil, schön das es den anderen gefallen hat, egal. Mich brauchste gar nicht erst fragen ob ich noch irgendetwas von dir und Bill weiß, geschweige denn von der Party, wie ich’s schon voraus gesagt hatte, ich hab bestimmt nen heftigen Blackout.“

Wir schminkten uns ausgiebig, natürlich alles komplett neu –das war ne arbeit, sag ich euch- als es plötzlich an der Tür klopfte und Bill fragte: „Alles ok mit euch? Kommt ihr dann runter, die Jungs ham gesagt, dass sie was zu essen gemacht haben.“

„Ja wir kommen gleich, Bill! sagte Summer und schaute mich lächelnd an.

„Du kannst ja schon mal runter gehen und gucken was die in der Küche so fabriziert haben, ja? Ich komm dann nach, versprochen!“ sagte sie weiterhin lächelnd und schminkte sich zu ende und da ich schon fertig war sagte ich noch „alles klar“ und ging nach unten, immer noch mit dem Shirt von Tom an. Da kam mir plötzlich wieder die frage, was er anhatte, aber als ich ihn sah, merkte ich das es nichts, außer seiner Hopper- Hose war. Diesen Anblick werd ich glaub ich nie mehr vergessen, so cool und gelassen wie er am Tresen stand und so wie er lachte einfach nur zum anbeißen. Ich wär am liebsten zu ihm gerannt und hätte ihn umarmt aber ich sagte nur allen ein fröhliches „Guten Morgen, miteinander!“ und setzte mich auf die Couch, da ich noch ziemlich fertig war, und kaum saß ich da kam auch schon Tom dazu und lächelte mich total süss an.

„Was ist los Tom??? Wieso schaust du mich jetzt so süss an???“ Oh nein hatte ich gerade wirklich süss zu ihm gesagt? Ja anscheinend schon denn er grinste jetzt nur noch mehr!

„Nichts, ist los! Ich schau dich einfach nur gerne an!“ grinste er immer noch und ich grinste fett zurück.

„Hey, ihr zwei Turteltäubchen, hier wird nicht geflirtet!!“ sprang Bill lachend auf uns drauf und auch Georg und Gustav kamen zu uns, nur sprangen sie nicht auf uns sondern auf die andere Seite der Couch. Und prompt gingen Tom und ich ein Stück weiter auseinander. Was ich ziemlich schade fand, denn ich hätte stunden so dasitzen können. Auf einmal schauten sich alle vier Jungs an, kamen auf mich zu und kitzelten mich erst mal heftigst durch und als dann Summer kam wurde auch sie nicht verschont.

„Das…das ist… unfair… vier… gegen zwei… echt fies…!!!“ sagte ich lachend und Summer stimmte mir zu als sie plötzlich los schrie, wie am spieß und alle hörten auf als auch ich los schrie. Sie mussten sich einfach die Ohren zuhalten, so laut wie wir waren.

„Hört auf, BITTE hört auf!!!“ flehten alle vier zusammen und knieten sogar vor uns nieder, was Summer und ich total süss fanden und wir einfach nachgeben mussten.

„Was solln wir jetzt machen?? Essen??“ fragte Gustav der auch bis über beide Ohren strahlte.

„Essen? Also ich hab nich so großen Hunger!“ sagte ich und Summer und Bill stimmten mir zu, nur Tom, Gustav und Georg aßen etwas, als sie damit fertig waren und Bill, Summer und ich mit anschweigen, gingen wir, nachdem wir uns alle noch ordentliche Klamotten angezogen hatten, zusammen raus da Tom vorschlug zur Straba zu gehen. Jetzt war es mittlerweile 17.00 Uhr und wir kamen an der Straba an, holten uns alle ein Redbull und hofften, dass wir danach noch etwas munterer wurden und gammelten uns in die Liegestühle! So ca. 18.00 Uhr und nach vielem rum gequatsche, beschlossen wir, also Summer und ich mit zur Probe der Jungs zu kommen. Wir gingen also eine ziemlich lange strecke, die wir mit rumgealber noch schneller gingen, da uns die Jungs immer hetzten, zum Proberaum. Wir standen vor einer Fabrik, die ziemlich heruntergekommen war und von innen genauso aussah wie von draußen und Bill meinte nur: „Da ist unser Proberaum drin, hoffentlich gefällts euch, achso und fallt bitte nicht über den ganzen Müll dadrin, es ist bei uns nämlich nicht wirklich ordentlich!!“ Und Summer und ich schauten uns erschrocken an.

„Meinst du das ist so schlimm dadrin?? So hatte ich sie eigentlich nicht eingeschätzt, aber na ja so kann man sich täuschen!“

„Ich hab keinen Plan wies dadrin aussieht, vielleicht ist es halb so schlimm. Ich für meinen Teil freu mich eher auf ihre Musik!“

„Ja das stimmt auch wieder, da haste recht! Also auf geht’s!“ sagte Summer mit ängstlichem Blick und wir gingen den Jungs hinterher.

Als wir im Raum ankamen traf uns der Schlag, Bill hatte wirklich nicht untertrieben, es sah echt Katastrophal aus. Aber als die Jungs nach einer Weile mit ihrer Probe anfingen war der Schock schon wieder vergessen. Bei dieser geilen Stimme konnte man auch gar nichts anderes erwarten, man musste einfach alles um sich herum vergessen, so geil wie das hier war.

Summer und ich saßen da und hörten verträumt allem zu, auch den Streitereien die es zwischendurch mal gab, die sich aber schnell wieder legten da Summer und ich meistens sagten das sie einfach weiter spielen sollen. Und so verstrich auch dieser Tag.

Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt Tom anzusehen und seinem Gitarrenspiel zuzuhören weil er das einfach nur geil konnte und im Zusammenspiel mit Bills stimme war es echt nur ein Traum, der eigentlich hätte nie zuende gehen dürfen. Aber irgendwann mussten dann doch alle nach hause. Wir verabschiedeten uns alle mit einer Umarmung, bei Tom ließ ich mir besonders viel zeit, weil ich einfach seine nähe spüren musste, es ging einfach nicht anders. Ich gab ihm noch einen dicken Kuss auf die Wange und schon riss mich Summer weg.

„Komm wir müssen los, April! Ihr seht euch doch wieder!!!“

„Ja, ist ja ok… komm ja schon!“

„Ach… April?“

„Ja, was gibt’s?“

„Ich weiß jetzt endlich für wen du dich gestern so hübsch gemacht hast…für Tom, oder? So wie ihr euch immer anschaut?“

„Ähm…na ja…ja…ja für Tom, ich fand ihn halt süss und wollte gut aussehen!!“

„Ist ja niedlich…Weißt du Bill ist echt nen Schatz, der ist so lieb und in seine Augen kann man einfach nur versinken und…und er hat nen Zungenpiercing!!! *g*“ sagte sie mit so einem grinsenden und verträumten Blick das es so aussah als ob sie mehr für ihn empfinden würde.

„Du magst ihn sehr, oder??“

„Nee…na ja…nee…na ja…doch…ja ich mag ihn, sogar ziemlich!!!“

„Hab ich doch gewusst. Bei mir ist es ja nicht anders, nur halt mit Tom!!!“

So quatschten wir die ganze zeit weiter, unterhielten uns noch darüber, dass sich Bill und Tom eigentlich gar nicht wirklich ähnlich sehen, zumindest vom Style her, nur vom Gesicht erkennt man’s schon nen bisschen, also das sie eineiige Zwillinge sind. Als wir zuhause bei Summer ankamen und das Chaos sahen, is uns das lachen echt vergangen, wir beschlossen aber erst morgen aufzuräumen da wir dazu jetzt irgendwie nicht mehr im stande gewesen waren. Also machten wir uns fürs Bett fertig und legten uns schlafen. Ich dachte mir noch das Summer und ich, mit der Band und vor allem mit Tom und Bill das große Los gezogen hatten, bevor ich dann auch einschlief.

Aber da wussten wir ja noch nicht, dass sich zwischen uns noch alles ändern würde.

 

 

 

 

 

Ich war so froh endlich in meinem Bett zu liegen und die Augen zumachen zu können… aber mit schlafen war wohl erstmal nichts, denn als ich kurz vorm abnippen war, wurde ich prompt auch schon wieder vom meinem Handy hoch geschreckt.

Drrr… drrr…drrr… Drrr…drrr…drrr…

„Oh ne, das is jetz nicht den ihr Ernst, oder?“, fragte ich vor Müdigkeit nuschelnd. Wer ruft denn so spät noch an???

„Hm“, sagte ich und drehte mein Handy schnell noch rum, als ich bemerkte, dass ich es falschrum hielt.

„Ja, hallo, hier ist der Bill…“ Da war ich auch gleich wieder hellwach.

„Hi“, sagte ich, während ich aufsprang, ins Bad verschwand, um April nicht auch noch zu wecken und komischer Weise immer nervöser wurde.

„Summer? Schläfst du schon… ich hab dich doch nicht etwa geweckt, oder???“, fragte er ganz erschrocken.

Jaaaa…

„Ähm, nein“, log ich „was gibt’s denn?“

„Ich, ähm, …, ich wollte… nur mal fragen… ähm… was ihr morgen so macht!?“

„Wir müssen hier erstmal aufräumen. Ey, ich sag dir das is ein Chaos!!! Is noch schlimmer, als euer Proberaum!!!“, grinste ich.

„Ja, der sieht wirklich schlimm aus, aber wenn man da einmal was liegen lässt, dann stapelt sich da alles“, meinte er. Das war ihm jetzt wieder sichtlich peinlich. *cute*

„Aber ihr habt das ja wieder mit eurem Auftritt gut gemacht“, schleimte ich jetzt wieder und hatte damit prompt wieder Erfolg, denn ich konnte ein verlegenes Lachen vom anderen Ende hören.

„Ihr müsst unbedingt mal wieder mitkommen… Das gibt uns Ansporn *g*“

Jetzt war ich sichtlich verlegen und ein angenehmes Schweigen folgte…

„Ähm… und was macht ihr so morgen?“, fragte ich schließlich um das Schweigen wieder zu brechen.

„Wir treffen uns mit euch“, sagte Bill bestimmt und fügte noch schnell „Also, dann schlaf schön“ zu, damit ich keine Zeit hatte, zu widersprechen.

„Ja, du auch!!!“ und schon konnte ich ein tut…tut...tut… vernehmen. Ich saß dann noch ne ganze Weile im Bad und bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Warum wusste ich selbst nicht so genau.

Am nächsten Morgen wurden wir mal wieder vom Türklingeln geweckt. Irgendein Idiot klingelte Sturm… Ich war natürlich zu allem Überfluss im Bad eingeschlafen!!! In meinem Zimmer erwartete mich schon April, die aufm Bett saß und genauso aussah, wie ich mich fühlte.

„Was machst du denn im Bad“, fragte sie mich total verschlafen.

„Hm, keine Ahnung… Oh, man, is ja gut, wir kommen ja schon!!!“, schrie ich, als wir zusammen runter zur Tür gingen. Die war kaum geöffnet, da kamen auch schon Tom und Bill reingestürmt.

„Na ihr zwei Hübschen… Was macht ihr denn nur? Wir stehn schon seit ner halben Stunde an der Tür und klingeln!“, sagte Tom, der mit zwei voll bepackten Tüten zu uns kam, uns kurz ein Küsschen auf die Wange gab und auch gleich in Richtung Küche verschwand.

„Sagt bloß, ihr habt noch geschlafen“, meinte er leicht sarkastisch und setzte ein hämisches Grinsen auf, während wir ihm hinterher getrottet kamen und er uns genauer musterte.

„Oh, das tut uns aber leid!“ Er setzte jetzt wieder seinen typischen Dackelblick auf, konnte sich das Grinsen aber nicht verkneifen. Es hatte so den Anschein, dass ihm das überhaupt nicht leid tat, ganz im Gegenteil: das war genau seine, bzw. ihre Absicht gewesen, uns zu wecken.

„Wir haben Brötchen und Hörnchen mitgebracht“, meinte Bill zuckersüß und grinste mich an. Dafür musste ich ihn erstmal knuddeln und nutzte das auch gleich, um ihm ebenfalls einen Begrüßungsbussi auf die Wange zu geben, was mir April dann auch nachmachte.

„Ey, ihr seit unsere Retter, wir haben nämlich gar nichts mehr da!“, meinte ich und wir ließen uns jetzt alle vier am Wohnzimmertisch nieder, um unser ausgiebiges Frühstück zu genießen, das letzten Endes in eine übelste Essensschlacht ausartete. Schließlich lagen wir wieder vor Lachen keuchend aufm Boden und hielten uns den Bauch, als es mal wieder klingelte.

„Oh, man, was ist denn nur los!!! Hier geht’s ja zu wie aufm Bahnhof!!!“, schrie ich total genervt auf.

„Hey, ist schon gut“, beruhigte mich Bill, während er mich zurück auf die Couch drängte „ich geh schon, das sind nur Gustav und Georg, die wollen mit aufräumen helfen.“ Und schon standen auch schon Georg und Gustav mit im Wohnzimmer, die mit allem möglichen Putzkram bepackt waren.

„Was habt ihr denn gemacht?“, kam es prompt von Georg.

„Hm, ne kleine Essensschlacht“, grinsten Tom und Bill gleichzeitig zurück. Georg und Gustav fanden das allerdings nicht ganz so lustig.

„Das macht ihr dann aber weg“, schnauzte Gustav und Georg sah uns noch mit einem wie- die- kleinen- Kinder- Blick an.

Das Aufräumen ging zum Glück recht schnell. Wir brauchten den Müll nur zusammen zu fegen und in große Tüten abfüllen. Ich fischte noch die letzte Redbull- Dose aus dem Wasser von unserem Pool und warf sie geschickt in den Beutel, den Gustav mir entgegenhielt. Nun saß ich da genüsslich mit April am Beckenrand und wir blickten wieder mal zu Tom und Bill, die sich nun hämisch anschauten und schließlich mit einem fiesen Grinsen zu uns kamen. Was war jetzt schon wieder??? Aber bevor ich auch nur die Möglichkeit hatte, nach zu fragen, lagen April und ich auch schon im Pool und blickten leicht verdattert rum.

„Ihr seid sooo…“, fing April an und wischte sich das Wasser aus den Augen.

„Ja, was sind wir“, feixte Tom immer noch.

„Na wartet!“ Aber bevor wir rausklettern und die Jungs ebenfalls ins Wasser schmeißen konnten, waren sie selbst schon hinterher gesprungen und wir lieferten uns jetzt eine heftige Wasserschlacht, während Gustav und Georg es sich auf den Liegestühlen mit zwei von der Party übrig geblieben Redbulls gemütlich machten.

„Wie die kleinen Kinder“, grinste Georg, der sichtlich auch Bock hatte, mit zu machen. Und prompt waren auch Gustav und Georg hinterher gesprungen und jetzt hieß es jeder gegen jeden.

„Ja ja, wie die kleinen Kinder“, meinte ich noch zu Georg, der mich gerade auf den Arm genommen hatte, bevor er mich wieder ins Wasser schmiss. Gegen ihn hatte ich keine Chance, im Gegensatz zu Bill, der das gleiche versuchen wollte, bei dem ich mich aber so festklammerte, dass er mich nicht los bekam. Er sah echt geil aus mit seinen nassen Haaren, die ihm tief ins Gesicht fielen, seinen engen nassen Klamotten und seiner verlaufenen Schminke.

„Ähäm, Summer, du erwürgst mich gleich“, meinte er keuchend.

„Dein Pech! Du musst ja nicht versuchen, mich ins Wasser zu schmeißen.“ Ich war so dicht an ihm dran, dass ich seinen Herzschlag und seinen Atem in meinem Genick spüren konnte. Der Moment war echt wunderschön und ich kostete ihn voll aus!!!

„Summer?!?“, flüsterte er ganz leise, so dass ich wieder eine fette Gänsehaut bekam und mein Herzschlag immer schneller ging. Total erschrocken löste ich mich von ihm und machte mich auf den Weg aus dem Pool.

„Mir ist kalt“, meinte ich auf die fragenden Blicke der anderen hin, schnappte mir ein riesiges Handtuch aus einem Schrank neben der Bar und setzte mich auf einen der Liegestühle, wo noch eine ganze Weile die anderen, besonders Bill, der mir immer wieder flüchtige Blicke zuwarf, beobachtete. Schließlich kamen auch die anderen aus dem Wasser und wir ließen uns alle nur mit Unterwäsche und in die riesigen Handtücher gekuschelt im Wohnzimmer nieder und zappten ein wenig durch das Programm. Unsere Klamotten hatten wir raus aufn Balkon gehangen, damit sie trockneten. Nach ein paar Stunden zogen sich Georg und Gustav dann ihre noch etwas feuchten Klamotten an.

„Wir gehen dann mal… Haben noch ne Verabredung“, grinste Georg „vergesst bitte die Probe morgen nicht!“

„Ach, ja“, kam es von Bill und Tom, wobei sie sich gleichzeitig die Hand vorn Kopf schlugen.

„Und ihr zwei auch nicht“, meinte Gustav noch zu April und mir „punkt 6.00 Uhr und keine Minute später!!!“ und er und Georg verabschiedeten sich noch von uns.

„O.K., wir gehen dann auch mal“, meinte Tom ein paar Minuten später und die Twins standen auf und zogen sich jetzt auch wieder an, wobei sie sich noch nicht mal die Mühe machten, ins Bad zu gehen. Oh ha, die hatten wirklich geile Oberkörper!!! Das sag ich euch… War eigentlich schade, dass sie jetzt schon gehen wollten, es war grad so schön mit ihnen zusammen auf der Couch zu gammeln. Aber irgendetwas tuschelten sie schon wieder… Was hatten sie jetzt schon wieder vor… Bei den zweien weiß man ja nie!!!

Und ich hatte Recht, kaum waren sie aus der Tür, kam auch schon eine SMS:

Hey ihr Süßen, wir sehen uns heute Abend, ja??? Kommt einfach in unseren Stammclub, da wo wir aufgetreten sind um 9.00 Uhr… Bis dann… HEL Bill und Tom

Blitzschnell waren wir auch schon wieder aufgesprungen und auf dem Weg ins Bad, um uns fertig zu machen. Heut Abend mal was nur zu viert machen??? Das lassen wir uns doch nicht entgehen…

 

 

 

 

 

Kapitel 5

Jetzt war es schon 20.45 Uhr und wir machten uns so langsam auf den weg zum Club. Wir sahen mal wieder unbeschreiblich gut aus!!! *g* Das merkten wir auch, in dem uns einige Typen hinterher pfiffen. Aber kaum waren wir so 5 Minuten gelaufen, kam uns auch schon ein Kumpel von Summer entgegen, den ich mittlerweile auch schon kannte. Erst lief er mal prompt an uns vorbei und schenkte uns keinen Blick, als er sich dann aber umdrehte und auf uns zugerannt kam.

„Hey, ihr zwei wartet noch mal nen Moment!“

„Oh, no das kann doch nicht sein ernst sein… ach April, lauf bitte weiter, ja?!“ flüsterte mir Summer zu und zog eine Miene wie sieben tage Regenwetter.

„Wieso denn, der is doch cool!“ flüsterte ich zurück „HI, was machst du denn hier?“

„Och April, warum kannst du auch nie deine klappe halten? Du bist echt blöd!!!!!!!!! Wegen dem kommen wir noch zu spät!!!!“ flüsterte sie immer noch und schaute noch grimmiger.

Was is denn jetz mit der los? Aber nach wenigen Minuten verstand ich, warum sie plötzlich so drauf war.

Der Typ sprach so langsam das er schon wieder rückwärts sprach und kam einfach nicht aufn Punkt. Und als dann noch sein Handy klingelte war echt alles vorbei.

„Siehste, das meint ich, der labert und labert und wir wissen immer noch nicht warum er uns angequatscht hat!“ zischte Summer mich an und war glaub ich etwas beleidigt.

Der Kumpel der übrigens Toni hieß drehte sich zu uns um, da er merkte, dass wir langsam echt genervt waren.

„Also ich wollt euch … ja nur fragen…ob ihr nich vielleicht…“

„Jetz spucks endlich aus, dein ewiges Rumgehschleife geht mir echt aufn PISSER!!!“ schrie Summer ihn schon regelrecht an aber sie sprach genau das aus, was ich mich nie getraut hätte, ihm zu sagen und das war echt mal nötig.

Der Toni schaute uns an und als er sah, das ich genau das gleiche dachte, stiegen ihm schon die tränen in die Augen, er lief knallrot an und aufeinmal kam ein verlegenes „Nerv ich euch etwa??“ von ihm.

„Ach nöööö, gar nich ne! Das eben ham wir nur mal so gesagt!“ meinten wir beide sarkastisch und ließen ihn einfach da stehen, weil wir echt keine Zeit mehr hatten.

„Wegen dem kommen wir jetz echt ne halbe stunde zu spät, ey warum hast du ihm auch „HI“ gesagt?“ äffte mich Summer nach und zog nen Schmollmund.

„Tut mir ja Leid… du alter Schmollmund!! Verzeihst du mir???“ sagte ich und setzte genauso einen Dackelblick auf, wie es Tom immer tat.

„Das haste dir aber schön abgeguckt.“ Meinte Summer jetzt und grinste mich an. Als wir in den Club kamen hatten wir beide ein fettes grinsen im Gesicht und schauten uns nach Tom und Bill um. Wir sahen sie ganz hinten in einer Ecke sitzen, sie sahen uns aber nicht an, sondern tuschelten irgendetwas.

„Hey ihr beiden!“ sagten wir ganz fröhlich und wollten sie wie immer zur Begrüßung umarmen, aber sie wichen zurück und tuschelten weiter. Scheiße die warn echt sauer!!!! Egal was wir auch taten, in der nächsten halben Stunde redeten sie kein Wort mit uns.

„Wie die kleinen Kinder! Dann gehen wir halt, ne Summer???“ äfften wir jetzt Georg nach und gerade als wir aufstanden, lachten die Jungs los, wir hatten auch schon vorher gemerkt das sie das lustig fanden aber jetzt konnten sie es sich nicht mehr verkneifen. Dann mussten wir alle lachen und Summer und ich schmissen uns wieder auf die Couch und bestellten uns erst mal was zu trinken.

Einige stunden und viele, nein sehr viele, oder besser gesagt zu viele Wodka- Redbull später, liefen wir torkelnd und ziemlich aneinander gestützt in irgendeine Richtung. Eigentlich wussten wir überhaupt nicht wo wir hinliefen, denn die Jungs drängten uns bestimmend in eine Straße, wo ein paar Taxis standen und wir uns eins nahmen und los fuhren. Tom hatte einen Namen gesagt den ich aber nicht verstanden hatte.

Als wir ausstiegen standen wir vor einem Einfamilien Haus und Summer und ich wunderten uns was wir hier sollten, als Summer das Namensschild vorlas, na ja wenn man das als vorlesen bezeichnen kann…

„Fam- ilie… Kau- litz…Ihr habtn Haus?“ stotterte sie vor sich hin und grinste doof. Echt geil wie man sich im Suff so verhält und was man so für Müll labert, aber mir erging es ja nicht anders. Bill und Tom lachten kurz auf, reagierten aber nicht weiter drauf.

„Sag mal was machen wir eigentlich hier???“

„Na ihr pennt natürlich bei uns, was hast du denn gedacht?“ sagte Tom mit so einem Unterton das wir einfach „ja“ sagen mussten.

„Und wo, wenn ich fragen darf?“

„Na was meinst du?? Summer bei Bill und du bei mir!!“ grinste er aber er war noch nicht fertig „Nein, nein war nur nen Scherz, natürlich pennen wir alle zusammen in einem Zimmer.“

„Am besten bei mir da ist am meisten platz!“ warf Bill kurz ein und da wir noch draußen standen gingen wir erst mal rein.

Wo uns ein richtig süsser, schwarzer Hund entgegen kam und mit dem Schwanz wedelte. Wir knuddelten ihn und wollten gar nicht mehr von ihm lassen.

„Oh, man ist der knuffíg, echt total süss!!!“

„Ja das stimmt, den will man gar nicht mehr loslassen!“ sagte ich und schaute zu den Jungs rüber die sich jetzt nur blöd anschauten und sagten: „Ja toll, das ist Scotty und nur nen Hund!! Mein Gott!“ und Tom meinte noch etwas leiser zu Bill „Die sollen lieber uns nehmen!!!“ aber wir konnten es trotzdem hören. Wir gingen zu ihnen hin und wuschelten beiden durchs Haar, was sie jetzt nicht mehr so toll fanden.

„Das wolltet ihr doch, oder??“ sagte ich lachend, weil es richtig süss aussah sie so zu sehen.

„Naja so hat ich mir das eigentlich nicht vorgestellt aber egal. Wolln wir hoch?“ fragte Tom und Bill stimmte ihm zu und stand prompt wieder vorm Spiegel, um alles wieder zu richten.

„Ja, los lass uns hoch gehen, wir wollen endlich eure Zimmer sehen!!“ Die aber bestimmt fast genauso aussahen wie der Proberaum, was wir aber nicht sagten. Wir gingen erst in Toms Zimmer und schauten uns um, eigentlich sah es gar nicht mal so schlecht aus, zwar chaotisch aber doch ganz ok. Er holte zwei Boxershorts raus. Was will er denn jetzt damit?

„Hier für euch, zum schlafen, oder wollt ihr…na ja…nackt schlafen???“ grinste er und seine Augen wurden zu schlitzen.

„Also eigentlich hatten wir das vor!!!“ meinten wir und drehten uns mit den Boxershorts in der Hand um und wollten ins Bad, standen aber erst mal im komplett falschen Zimmer, taten aber so als hätten wirs nicht mitgekriegt.

„Ähm, Mädels das Bad ist da drüben!“

„Ja wissen wir doch, wir wollten uns nur nen bissl umschauen, echt coole Abstellkammer!“ grinsten wir verlegen und verschwanden ganz schnell im Bad.

Als wir die Tür zugemacht hatten, hörten wir Bill schon fluchen: „Och, Tom du …Arschloch, wieso haste denen auch die Boxershorts gegeben???“ Da waren wir erst mal baff, so was von Bill?! Das hatten wir nicht erwartet. Immer noch stritten sich die beiden aber als wir, schon umgezogen natürlich, in der Tür standen waren sie ruhig und schauten uns an.

„Habt ihr euch jetzt wegen uns gestritten??“ fragte Summer und lächelte die beiden „Unschuldsmäßig“ an.

„Ach quatsch, wir doch nicht!“ sagte jetzt Bill und legte den Arm, Brüderlich um Tom, jetzt schauten sie uns lächelnd und verschmitzt an.

„Was gibt’s denn? Warum schaut ihr so?“ fragten wir, uns aufs Bett schmeißend. Die Jungs kamen auch gleich hinterher und sprangen auf uns drauf.

„Jetzt kommen wir!!!“ schrieen Tom und Bill gleichzeitig und ab da begann eine wilde Kissenschlacht. Summer und ich lagen immer noch da und Tom und Bill mit Kissen bewaffnet auf uns.

„Hey, das is jetz aber echt fies, wir haben gar nichts womit wir uns wehren können!“ sagte ich lachend und Summer stimmte mir nickend zu, aber anscheinend hatten die Jungs das komplett ignoriert und feuerten mit den Kissen auf uns drauf.

Aufeinmal wurden wir alle von so einem heftigen Lachanfall gepackt, das gar nichts mehr ging und wir uns nur auf dem Bett rum kullerten und uns die Bäuche hielten. Keiner wusste warum wir so heftig lachen mussten und als uns das klar wurde, mussten wir nur noch mehr lachen, bis uns die tränen kamen.

Wir lagen alle auf dem Bett und hatten uns auch schon wieder beruhigt, als Bill plötzlich meinte: „Komm lasst uns ne DVD gucken ja??“ und alle zustimmten.

„Und was habt ihr so da?“

„Kein Plan, irgendwas wird sich schon finden.“ sagte Bill zu uns und Tom stand auf, da Bill ihn bettelnd angeschaut hatte, er solle mal nen Film suchen, und ging nach unten. Er trampelte die Treppe runter und da ich mir das geturtel „Du bist heute echt hübsch“ von Bill und Summer nicht antun wollte ging ich zu Tom. Als ich unten ankam sah ich auch schon Tom vor einem riesen Regal stehen. Echt total süss, wie er da so dastand, ich konnte meinen Blick gar nicht mehr von ihm ablassen, ich ging dann aber doch fragend auf ihn zu:

„Und schon was gefunden?“ und er drehte sich erschrocken um, er hatte wohl nicht gerade mit mir gerechnet.

„Ähm…nee…na ja nich wirklich. Was meinst du denn, mehr Action oder ne Schnulze?“

„Hm, na mir ist das eigentlich egal, nimm was von beidem mit hoch.“ Lächelte ich ihn süss an und dann kam er mir immer näher, bis er plötzlich direkt vor mir stand.

„Tom…was ist los… was willst du?“ fragte ich ihn skeptisch und er meinte nur:

„Naja wir haben uns heute noch gar nicht richtig Begrüßt, das muss man doch nachholen!“ nahm mich sanft in den Arm und schaukelte mich wie ein kleines Baby hin und her. Ich genoss das alles so, mich hatte schon lange kein Junge mehr so sanft, einfach nur mal in den Arm genommen, ich fühlte mich bei ihm einfach nur wohl und so richtig geborgen, ich wusste er würde mir nie wehtun.

Aber das würde sich noch ändern!

„Hey, ihr zwei da unten, wir haben gedacht ihr sucht uns nen Film aus! Kommt ihr langsam mal wieder hoch?“ Und schon ließ mich Tom, ruckartig los. Was war denn jetzt, war ich ihm jetzt peinlich oder warum tat er das gerade. Und jetzt geht er ohne mich zu beachten hoch, was soll das?? Ich ging ihm hinterher und als er oben war drehte er sich um nahm mich zu sich und flüsterte ein „Es tut mir leid, April!!!“ ins Ohr, was mich dann etwas beruhigte und ich mir den Film, den Tom in den DVD- Player warf, in ruhe und nicht an Gedanken, an ihn, angucken konnte.

Wir schliefen alle samt, noch während des Films ein und wachten erst ziemlich spät, eigentlich viel zu spät am nächsten Morgen auf. Es war schon 17.00 Uhr und die Bandprobe würde ja schon um 18.00 Uhr anfangen.

„Hey, Leute wir müssen uns jetzt echt beeilen, sonst kommen wa zu spät!!“ sagte ich, eigentlich im Moment noch ruhig und als ich sagte, da sie alle nicht aufstehen wollten, das es schon 17.00 Uhr sei, versprühten alle aufeinmal eine ziemliche Hektik…

 

 

 

 

 

Och, nee, ich hab echt keinen Bock, aufzustehen… Nicht jetzt… Ich lag mal wieder ganz dicht rangekuschelt an Bill und hatte scheinbar so die ganze Nacht geschlafen, mit meinem Kopf auf seiner Brust… Das war einfach nur so schön, da er mir ganz viel Wärme und Geborgenheit gab, deswegen machte ich mir auch noch nicht mal die Mühe, aufzustehen.

„Hey, Leute, es ist schon 17.00 Uhr!!!“, drängelte April jetzt aber. Und plötzlich waren alle hellwach… Scheiße schon 17.00 Uhr!!!

April und ich klaubten unsere Sachen zusammen und verschwanden im Bad (wovon Bill nicht so begeistert war, da er sich jetzt eigentlich erstmal schminken wollte). Von der abrupten Helligkeit geblendet merkte ich erstmal, wie sehr mir der Schädel brummte und ich stieß ein unwillkürliches „Ahhh“ aus, wobei ich mir die Schläfen massierte. April schien es aber auch nicht besser zu gehen. Man sah uns zum Glück nicht an, was wir für nen Kater hatten, denn unsere eigene Schminke hatten wir nicht mit und die von Bill wollten wir auch nicht so ohne weiteres nehmen… Nach ner halben Stunde hatten wir uns dann auch frisch gemacht und da die Jungs nicht in ihren Zimmern waren, watschelten wir jetzt die Treppe runter und folgten den Geräuschen…

„Man, bin ich froh, dass du nicht so lange im Bad brauchst, da würde ich jeden Morgen durchdrehen!!!“, hörten wir Bill nuscheln.

Wir landeten prompt in der Küche, wo die Twins, ebenfalls bereits angezogen, schon Brot toasteten. Als Bill uns sah, war er sichtlich erleichtert und verzog sich auch gleich hoch ins Bad. Tom kam erstmal zu uns und sagte uns beiden erstmal guten morgen, was man kaum verstand, denn irgendwie kam kein einziges Wort aus seinem Mund.

„Morgen“, sagten wir beide im Chor und mussten uns beide angrinsen, als auch Tom sich jetzt die Stirn rieb… Er sah für den Moment so zerbrechlich aus und so wehmütig…

„Ah, nicht so laut, ja“, meinte er mit kratziger Stimme.

April und ich ließen uns am Küchentisch nieder und schnappten uns die ersten Toastbrote, aber richtigen Hunger hatten wir irgendwie nicht… Mit reden war ja anscheinend auch nicht viel, also schwiegen wir uns an… Nach ner viertel Stunde kam auch Bill wieder die Treppe runtergetrampelt und war mal wieder perfekt gestylt, das er das in ner viertel Stunde geschafft hatte, dafür hatte er echt meinen Respekt!!! Aber von seiner geknickten Haltung her konnten wir schließen, dass auch er einen Mordskater hatte. Das bestätigte sich auch, als wir im Bandproberaum ankamen und Gustav und Georg schon voller Elan ihre Instrumente einspielten… Wir verzogen alle vier das Gesicht…

„Könnt ihr nicht leiser spielen?“

„Das is Rock, das muss laut sein“, meinte Gustav und drosch noch ein wenig lauter auf seine Drums ein.

„Was isn euch über die Leber gelaufen?“

„Ach nichts, is alles o.k.“, meinte Tom, schnappte sich seine Gibson und gesellte sich zu den anderen beiden. Bill folgte ihm auch gleich und April und ich ließen uns auf eins der Sofas fallen, wo wir bereits beim letzten mal alle leeren und halb vergammelten Pizzaschachteln runter geschmissen hatten und warteten gespannt auf die Musik der Jungs…

Aber irgendwie klappte heut gar nichts, oder besser gesagt, es ging alles schief, was nur schief gehen kann… Tom verpasste ständig seinen Einsatz oder spielte komplett falsche Riffs, von denen vorher noch keiner wusste, dass es sie gab… Und Bill war noch schlimmer. Er brachte zu Beginn erstmal überhaupt keinen Ton raus, und als schließlich doch was kam, klang das komplett kratzig. Zu allem Überfluss sang er dann auch noch einen komplett falschen Text, was ihm vorher noch nie passiert war.

„Hey, Jungs, … ähm… wollen wirs ihnen so direkt sagen?... gut, ähm, ihr klingt echt scheiße!“, meinten April und ich schließlich…

„Hm, da habt ihr recht“, murmelte Bill.

„Ich frag lieber nicht, was ihr gestern gemacht habt, kanns mir schon denken, so wir ihr müffelt!“, meinte Gustav jetzt sichtlich beleidigt.

„Ja, na, ja, auf jeden Fall bringt das hier jetzt nichts“, meinte Georg, auch er sah ziemlich angeschlagen aus „lasst uns einfach woanders hingehen.“

Also packten die Jungs ihre Instrumente wieder zusammen, bzw. Bill gesellte sich solange zu uns und kuschelte sich wieder an meine Schulter, das war voll süß, so fertig hab ich ihn noch nie gesehen…

„Und wo wolln wir jetzt hin?“, fragte Bill. Sein Blick verriet: hoffentlich ein Platz, wo man schlafen kann…

„Erstmal zu uns, …ähm mir“, meinte ich „welcher Tag ist heut eigentlich???“

„Dienstag“, meinten Gustav und Georg gleichzeitig und amüsierten sich erstmal über diese Frage, hörten aber prompt auf zu Feixen, als sie April und mich sahen. Wir waren beide stehen geblieben und starrten uns beide an… Man konnte förmlich sehen, wie uns die Farbe aus dem Gesicht viel und wir den Tränen nahe standen…

„Was ist denn jetzt“, meinte Tom total knuffig, der sich scheinbar Sorgen machte, da er schon ahnte dass irgendetwas nicht stimmte…

„Dienstag, das heißt, du musst heute nach Hause?!?“, fragte ich April bedrückt. Von April kam nur ein zögerliches Nicken, dann schüttelte sie ganz heftig den Kopf.

„Ich will aber gar nicht, ich…“

„… wie, du musst nach Hause?“, unterbrach sie Tom „das kann doch nicht euer Ernst sein!!! Wir haben am Freitag nen Gig… und… und…“

April drehte sich jetzt zu ihm um und zog ihn in eine herzliche Umarmung. Die beiden sahen so knuffig miteinander aus. Was gerade in April vorging konnte ich nur allzu gut nachvollziehen… Ich musste zwar noch nie einen Menschen verlassen, der mir soviel bedeutete, aber ich wurde schon sehr oft von einem verlassen… von meiner Mutter… Zwar hatte ich mich bereits daran gewöhnt, dass sie häufig unterwegs ist, aber die Trennung fällt mir immer noch sehr schwer…

„Ich dachte nur, du würdest auch kommen“, flüsterte Tom ihr ins Ohr, so dass es nur sie hören konnte. Jetzt kam ein schluchzen von April…

„Hey, du kommst doch bald wieder, nicht… Spätestens in den Sommerferien und dann verbringen wir ganz viel Zeit zusammen, ja“, meinte ich und streichelte tröstend ihren Arm. Auch die anderen standen jetzt mit kreidebleichen Gesichtern da.

„Ähm, lasst uns doch mal hoch zu Summer gehen“, meinte Georg, der als erstes bemerkte, dass wir noch mitten auf der Straße standen und uns die Passanten schon dumm anguckten und so Kommentare kamen, wie : - Diese Jugend heutzutage, lungern nur noch auf der Straße rum und nehmen uns alten Leuten den Platz weg- oder – Habt ihr denn kein zu Hause- Im Normalfall hätten wir das jetzt alle komplett zum schießen gefunden, aber uns war überhaupt nicht zum Lachen zumute. Also stolperten wir so langsam zu den Fahrstühlen, Tom nicht von April Seite weichend…

In der Wohnung angekommen ließen wir uns alle komplett deprimiert auf die Couch fallen und April und ich lagen uns jetzt heulend in den Armen und wollten gar nicht mehr aufhören…

„Wirst du eigentlich abgeholt, oder wie kommst du nach Hause“, fragte Bill schließlich und bekam dafür vernichtende Blicke von Tom.

„Ich werd von meinem Dad abgeholt… 22.00 Uhr.“, sagte April, die sich jetz wieder von mir löste.

„Kann man daran nicht noch etwas ändern?“, fragte Tom hoffnungsvoll.

„Nö, der is wahrscheinlich schon längst in Erfurt losgefahren… Hey, wisst ihr was… in meinen letzten paar Stunden möchte ich noch etwas richtig Cooles machen…“, sagte April schließlich und grinste uns an.

Von dieser Sinnesschwankung waren wir alle ein bisschen überrascht, aber sie hatte Recht… Irgendetwas Spannendes müssen wir noch machen…

Wir sahen uns beide an und strahlten bis über beide Ohren, da wir wieder mal dasselbe dachten: „wir gehen in ne Karaokebar!!!“ Und schon machten wir uns auch gleich auf den Weg (gut wir hatten uns erst noch mal geschminkt, umgestylt und Aprils Sachen gepackt, was nicht so leicht war, da die überall verstreut lagen und der Koffer für die ganzen neuen Teile viel zu klein war).

Die Bar war glücklicherweise gleich um die Ecke, echt geil so mitten in Magdeburg zu wohnen, da hat man gleich alles um sich rum… Wir suchten uns erstmal einen schönen chilligen Platz und bestellten sechs Redbull. Die Stimmung war allerdings immer noch extrem niederschmetternd, daran mussten wir was ändern!!! April und ich hatten wieder einmal das gleiche gedacht. Wir sprangen beide gleichzeitig auf, gingen zu dem Typen an der Bar und schon standen wir auf der Bühne und der Song ging los. Noch ein kurzer Blick auf die Jungs, die uns jetzt skeptisch anguckten, dann trällerten wir schon fröhlich drauf los: I’m walking on sunshine, oh- oh- oh…

Kaum hatten wir den Refrain angestimmt, standen die vier Jungs auch schon mit auf der Bühne, alle zusammen um die zwei Mikes gedrängt und lieferten eine supi Performance… Den Rest des Abends hatten wir wieder megageile Laune und sangen noch einige Lieder *g*. Wir zwangen dann noch Georg und Gustav zu zweit auf die Bühne zu gehen und versprachen ihnen einen „supertollen“ Song mit der tollsten Anmoderation, die je gemacht wurde:

„So ihr lieben Leute, wir wissen, es is ja schon ziemlich spät, aber für einen letzten geilen Song is ja noch Zeit drin, nich? Also: extra für euch heute Abend zu Gast, meine besten Freunde mit ihrem „Lieblingssong“ von ihrer „Lieblingsband“, hier sind MODERN TALKING mit CHERRY, CHERRY LADY“, sagte Bill und feixte dabei immer wieder ins Mikrophon. Gustav und Georg waren seiner Rede mit verlegenem Grinsen gefolgt, aber jetzt schauten sie echt doof aus der Wäsche… zum einen total verdutzt, zum anderen mörderisch…Ein Glück, dass Blicke nicht töten können!!! Der arme Bill… Tja, damit hatten sie nicht gerechnet *g*, aber sie mussten das jetzt durchstehen!!! Das wird Rache geben, das war klar… Sie haben das aber trotzdem echt gut gemeistert, zumindest hatten wir echt was zu Lachen… April und ich heulten schon wieder (vor Lachen), Bill drosch mit der Faust auf den Tisch ein, weil er nicht mehr konnte und Tom war prompt vom Stuhl gefallen und lachte jetzt aufm Boden liegend und sich den Bauch haltend weiter…

So lustig der Abend auch noch war, so hart wurde der Abschied. Aprils Vater stand bereits vor der Tür, als wir von der Karaokebar kamen… Wir sagten Aprils Vater, er solle hoch gehen und die Koffer holen, damit wir uns in Ruhe verabschieden konnten… April fiel noch mal allen um den Hals… Wir schauten uns an und uns stiegen wieder die Tränen in die Augen, aber diesmal nicht vor Lachen, sondern vor Trauer… Aber wir wussten ja, dass wir uns wiedersehen würden… Tom konnte sich damit aber glaub ich nicht trösten, er nahm sie ganz lange in den Arm und wir konnten ein leises Schluchzen hören, auch wenn er das nicht zugeben wollte… Wir konnten uns ein „Ohhh…“ nicht verkneifen, das war wirklich zu süß!!! Als er sich dann wieder von April abwendete konnte ich sogar eine kleine Träne sehen, die er aber ganz schnell wieder wegwischte…Ja, ja, unser cooler Checker…

Ne halbe Stunde später saß ich immer noch heulend bei mir aufm Sofa, auch wenn April jetzt schon längst weg war… Ich vermisste sie jetzt schon, bis zu den Sommerferien war es noch so lange… Bill und Tom waren noch mit zu mir gekommen, aber wir hatten alle keinen richtigen Bock, zu reden… Bill setzte sich schließlich neben mich und legte mir tröstend den Arm um die Schulter, es war echt toll, dass er jetzt da war… Für Tom war das allerdings zu viel und er wollte jetzt gehen, da kam mir noch eine Idee…

„Warte noch mal kurz“, meinte ich, schnappte mir nen Zettel und kritzelte schnell noch etwas drauf „für alle Fälle“, zwinkerte ich ihm zu, schloss die Tür und gesellte mich wieder zu Bill, der jetzt wieder ein supersüßes Lächeln aufgesetzt hatte… Das war das erste Mal, dass wir beide nur zu zweit waren…


Home

Startseite
Gästebuch
Archiv
Soulmates never die

1.-5. Kapitel
Kapitel 6 und 7
Kapitel 8 bis 10
Kapitel 11

Pics

Bill
Tom
Creativ

Credits

Host
Gratis bloggen bei
myblog.de